Busse des Unternehmens Greyhound parken auf einem Gelände in Portland | picture alliance / ASSOCIATED PR

Busanbieter Flixbus übernimmt Greyhound

Stand: 21.10.2021 15:40 Uhr

Stolze 3,6 Milliarden Dollar musste die schottische Firma FirstGroup 2007 für die Übernahme des legendären US-Busanbieters Greyhound berappen. Nun kauft es Flixbus - zu einem Schnäppchenpreis.

Wer als junger Mensch mit dem Rucksack durch die USA gereist ist, hat meist auch ein Stück des Weges in einem der legendären Greyhound-Busse zurückgelegt, steuern doch die Fahrzeuge für wenig Geld mehr als 2000 Ziele zwischen New York und San Francisco an. Künftig gehören die Überlandbusse zu Flixbus.

Die Dachgesellschaft FlixMobility teilte heute mit, Greyhound Lines, den immer noch größten Fernbusbetreiber der USA, für bis zu 172 Millionen Dollar vom schottischen Eisenbahn- und Nahverkehrs-Unternehmen FirstGroup zu kaufen. "Eine stetige Weiterentwicklung unseres Netzes durch Kooperationen oder Zukäufe ist schon immer ein wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie, um unsere globale Präsenz weiter auszubauen", erklärte FlixMobility-Mitgründer und -Chef Jochen Engert. "Die Übernahme von Greyhound bringt uns hier einen entscheidenden Schritt weiter und stärkt die Position von FlixBus in den USA."

Rückläufige Passagierzahlen

FlixMobility zahlt zunächst rund 140 Millionen Dollar für Greyhound, 32 Millionen sollen in den nächsten 18 Monaten in Raten fließen. Der neue Eigentümer mietet die Immobilien von Greyhound, die bei FirstGroup bleiben. Die Staatszuschüsse von 108 Millionen Dollar, die Greyhound zum Ausgleich der pandemiebedingten Verluste von der US-Regierung erhalten hat, bleiben bei Greyhound und kommen damit FlixMobility zugute. Unter dem Strich werde Greyhound damit mit 46 Millionen Dollar bewertet.

Damit bekommt FlixMobility das über 100 Jahre alte Busunternehmen für einen Schnäppchenpreis. Allerdings hat Greyhound seine besten Zeiten auch längst hinter sich. 2019, dem Jahr vor der Pandemie, haben die Busse 16 Millionen Passagiere befördert, 2006 waren es noch 19 Millionen - und damit weit entfernt von den 90ger und 80ger Jahren als bis zu 40 Millionen Menschen mit Greyhound durch das Land reisten. Das ist einer der Gründe, warum Greyhound in den vergangenen Jahren seine Reiseziele immer weiter zusammenstrich. In Kanada mit deutlich weniger Einwohnern als die USA gestaltete sich das Geschäft zuletzt so schwierig, dass sich Greyhound für einen kompletten Rückzug entschied.

Die legendären Zeiten sind vorbei

Zuletzt kamen auch noch die Beschränkungen der Corona-Pandemie dazu. Von April 2020 bis März 2021 erzielte Greyhound laut dem bisherigen Eigentümer FirstGroup einen Umsatz von 423 Millionen Dollar und ein mageres operatives Ergebnis von 1,8 Millionen. Neben den Touristen sind es heute vor allem Immigranten, die die Busse am laufen halten: Jene, die sich kein eigenes Auto leisten können, und die mit dem nur schlecht ausgebauten Zugnetz nicht an ihren Zielort gelangen. Die Zeiten, in denen Greyhound für die große Freiheit Amerikas stand und die Busse auch in Hollywood-Filmen über die Leinwand rollten, sind offenbar vorbei.

Ob es Flixbus gelingt, die Legende wieder zu beleben und auch die Zahl der Passagiere zu steigern, bleibt abzuwarten. Das deutsche Unternehmen ist selbst seit 2018 in den USA vertreten und hatte den Betrieb dort im Frühsommer wieder hochgefahren. USA-Chef Pierre Gourdain hatte im Juni angekündigt, Flixbus wolle dort bis 2023 das umfangreichste Netz anbieten. Weltweit hatte Flixbus 2019 - vor dem Virus-Ausbruch - 62 Millionen Passagiere befördert. Die Pandemie hatte das Reise-Geschäft zeitweise fast vollständig zum Erliegen gebracht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.