Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist die Facebook-App zu sehen. | dpa

Ansehen der US-Konzerne Wenig Vertrauen in "Big Tech"

Stand: 23.12.2021 12:55 Uhr

Nahezu zwei Drittel der US-Bürger misstrauen Social-Media-Plattformen. Besonders schlecht kommt einer Umfrage der "Washington Post" zufolge Facebook weg. Es gibt aber auch ein paar Überraschungen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio San Francisco

Kaum eine Gesellschaft in der westlichen Welt ist so zerstritten wie die USA. Ex-Präsident Donald Trump hat diese tiefe Spaltung dem Rest der Welt vor Augen geführt. Dennoch sind sich die Menschen in den Vereinigten Staaten weitgehend einig, wenn es um die Beurteilung der großen Technologie-Unternehmen geht. Laut einer Umfrage der "Washington Post", die im November mit 1122 Erwachsenen durchgeführt wurde, vertrauen die wenigsten den großen Social-Media-Angeboten wie Facebook, TikTok oder Instagram. Die Werbung in diesen Netzwerken empfinden viele der Befragten als aufdringlich und lästig.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Wenn es um den verantwortungsvollen Umgang mit Aktivitätsprofilen und der Speicherung persönlicher Daten geht, dann kommt laut Umfrage Facebook besonders schlecht weg. 72 Prozent sagen, dass sie dem Konzern von Mark Zuckerberg "wenig" oder "gar nicht" vertrauen. Ähnlich schlecht werden in derselben Kategorie auch die chinesische Videoclip-Plattform TikTok sowie die Facebook-Tochter Instagram angesehen. Gemischte Noten bekommen dagegen Apple, Google und Microsoft. Leicht positiv tendiert nur Amazon. Hier sagt eine Mehrheit von 53 Prozent, dass sie dem Unternehmen seines Gründers Jeff Bezos zu einem guten Stück vertraut.

Beunruhigend dürfte vor allem für Facebook-Chef Zuckerberg noch ein anderes Ergebnis sein: Nur zehn Prozent der Befragten glauben, dass sein Netzwerk einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft habe. 56 Prozent meinen, es erzeuge genau das Gegenteil. Selbst unter denjenigen, die Facebook täglich nutzen, sagen mehr als dreimal so viele, dass das soziale Netzwerk eher einen negativen als einen positiven Einfluss habe.

Amerikaner wünschen sich mehr Kontrolle über Daten

Die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner sind skeptisch, dass die Internetunternehmen verantwortungsvoll mit persönlichen Daten umgehen. Eine deutliche Mehrheit ist der Meinung, dass die Konzerne den Menschen nicht genug Kontrolle über all die Informationen geben, die sie sammeln.

Vor knapp zehn Jahren hatte sich noch eine Mehrheit dafür ausgesprochen, den Tech-Unternehmen im Silicon Valley freie Hand zu lassen. Eine Einmischung seitens der Politik haben 2012 nur 38 Prozent für nötig gehalten. Hier gibt nun es eine deutliche Wende. Gut 64 Prozent der Befragten wünschen sich eine stärkere Regulierung der Unternehmen durch die Politik in Washington.

Die tiefe Skepsis der US-Bevölkerung bezüglich der Internetunternehmen zeigt sich noch in einem anderen Punkt, den die meisten Experten als moderne Legende bezeichnen. Sieben von zehn Amerikanern glauben, dass ihr Smartphone abgehört wird und die "smarten" Lautsprecher von Amazon (Echo) oder Google (Nest) heimlich mit lauschten. 

Das schlechte Image pflegen die Tech-Firmen in der Regel selbst. Ihnen wird seit Jahren vorgeworfen, dass sie als Multiplikatoren für Falschinformationen gelten und nicht in der Lage sind, persönliche Daten ihrer User ausreichend zu schützen. Spitzenreiter ist hier häufig Facebook - angefangen beim Cambridge-Analytica-Skandal 2018 bis hin zur Whistleblowerin Frances Haugen. 

Vorsicht beim Surfen im Internet wächst

Besser als die Social-Media-Unternehmen kommen Firmen weg, die Dienstleistungen oder Waren verkaufen. Dazu gehören Apple und Amazon. Sie werden eher positiv wahrgenommen. Das könnte daran liegen, dass ihr Geschäftsmodell relativ leicht nachzuvollziehen ist.

Bei Unternehmen wie Facebook, Google oder TikTok zahlen die Nutzerinnen und Nutzer dagegen nicht mit Geld, sondern mit ihren persönliche Daten. Im Gegenzug wird ihnen zielgerichtete Werbung eingeblendet. Google und Facebook haben sich diesen Markt quasi untereinander aufgeteilt, ernsthafte Konkurrenz gibt es kaum. Google hat im Jahr 2020 allein 147 Milliarden Dollar mit Werbung verdient, was einen Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz ausmacht. Bei Facebook waren es 84 Milliarden Dollar (98 Prozent des Gesamtumsatzes).

Den US-Internetnutzern hat man in den vergangenen Jahren immer wieder einen allzu sorglosen Umgang mit den eigenen Daten vorgeworfen. Das scheint sich langsam zu ändern. 57 Prozent der Befragten geben an, dass sie beim Surfen im Netz darauf achten, das Tracking, also das Nachverfolgen, abzuschalten. Die Hälfte sagt, sie habe die Datenschutzeinstellungen auf Handys und in Apps entsprechend angepasst. Vermehrt wird auch der Browser-Verlauf regelmäßig gelöscht oder es wird im Inkognito-Modus im Netz gesurft. Gut ein Viertel nutzt eine VPN-Verbindung fürs Surfen, um die Privatsphäre besser zu schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2021 um 09:00 Uhr.