Mark Zuckerberg | dpa

Investition in virtuelle Welten Facebook kämpft um die junge Zielgruppe

Stand: 26.10.2021 09:36 Uhr

Das Geschäft von Facebook wächst weiterhin, die Altersgruppe der jungen Erwachsenen scheint dem Internet-Konzern aber zunehmend den Rücken zu kehren. Ein teurer Strategieschwenk des Unternehmens soll das ändern.

Mit hohen Investitionen will Facebook junge Nutzer zurückgewinnen. Die Konkurrenz durch Dienste wie der des chinesischen Video-App-Anbieters TikTok macht dem Konzern offenbar zu schaffen. Bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das dritte Quartal dieses Jahres stimmte Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Aktionäre auf eine Strategie ein, die die Zielgruppe der jungen Erwachsenen stärker in den Fokus rückt. Alle Facebook-Apps bekämen das Ziel, zu "besten Diensten für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 29 Jahren zu werden", so Zuckerberg, "statt sie für eine größere Zahl älterer Leute zu optimieren".

Zu den Plänen gehört laut Medienberichten unter anderem, dass bei Facebook und dem Fotodienst Instagram kurze Videos stärker in den Vordergrund rücken. Dies ist auch das Kerngeschäft des chinesischen Rivalen TikTok. Zuletzt kamen bereits 60 Prozent der Werbeerlöse im Videobereich von Clips im Hochformat, die weniger als 15 Sekunden lang waren. Junge Erwachsene seien traditionell eine "starke Basis" gewesen, so der Facebook-Chef. Im vergangenen Jahrzehnt sei die Nutzerschaft aber "vielfältiger" geworden und Facebook habe sich darauf fokussiert, für alle da zu sein. Die Bedürfnisse der Jüngeren sollen nun der "Leitstern" des Unternehmens werden. Den Videodienst TikTok bezeichnete Zuckerberg als "einen der effizientesten Konkurrenten, dem wir je gegenüberstanden".

"Virtuelle Realitäten" als Zukunftsmarkt

Auch eine Milliardeninvestition in den Aufbau einer virtuellen Welt dürfte diesem Ziel dienen. Facebook sieht darin die nächste Kommunikationsplattform. Facebook-Nutzer sollen mit Hilfe dieser "virtuellen Realitäten" zwischen verschiedenen Geräten und Anwendungen in der digitalen Welt hin und her springen und miteinander kommunizieren können. Noch im laufenden Jahr erhalte das Facebook Reality Labs (FRL) genannte Segment ein separates Standbein neben den Apps Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp. Weitere Details über die Pläne erhoffen sich viele von der Entwicklerkonferenz am Donnerstag. Medienberichten zufolge könnte Facebook sich dann auch einen neuen Namen geben.

Der Strategieschwenk in Richtung der jungen Zielgruppe könnte die Geschäfte von Facebook zunächst belasten. Sie werde "Konsequenzen haben", so Zuckerberg in der folgenden Telefonkonferenz mit Analysten. Denn in anderen Altersgruppen könnte es dadurch nach Unternehmenseinschätzung "vermutlich weniger Wachstum" geben. Schnelle Erfolge sind dabei nicht in Sicht, der neue Ansatz "Jahre und nicht Monate" benötigen.

Belastungen durch Datenschutz bei iPhones

Die Geschäftszahlen, die Facebook gestern Abend vorlegte, zeigen neben der harten Konkurrenz durch TikTok auch Belastungen durch die Datenschutzvorgaben des neuen Betriebssystems von Apples iPhone. Dieses macht es schwieriger, Werbung zu personalisieren, wodurch sie als weniger wirksam gilt. Facebook erzielt rund 97 Prozent seiner Einnahmen mit Werbung. Nun sprach das Unternehmen von einer "erheblichen Unsicherheit" durch das neue iOS-System.

Beim Umsatz im vergangenen Quartal verfehlte Facebook wohl auch deshalb die Erwartungen der Analysten. Sie hatten im Schnitt mit gut 29,5 Milliarden Dollar gerechnet. Facebook schaffte ein Plus von 35 Prozent auf 29 Milliarden Dollar. Allerdings verdiente Facebook mit rund 9,2 Milliarden Dollar mehr als erwartet - ein Plus von 17 Prozent im Jahresvergleich. Die Zahl täglich bei Facebook aktiver Nutzer stieg binnen drei Monaten von 1,91 auf 1,93 Milliarden.

Die strategische Neuausrichtung muss Facebook mitten in einer Image-Krise für den Konzern stemmen. Das Unternehmen geriet in den vergangenen Wochen massiv unter Druck durch interne Unterlagen, die eine ehemalige Mitarbeiterin öffentlich machte. Frances Haugen tritt als Whistleblowerin auf und wirft Facebook vor, Profite über das Wohl seiner Nutzer zu stellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2021 um 16:39 Uhr.