Gestopptes Bauprojekt von Evergrande in Foshan, China | picture alliance / ASSOCIATED PR

Frist verstrichen Evergrande zahlt doch nicht

Stand: 24.09.2021 16:03 Uhr

Der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat die Frist für eine erwartete Zinszahlung verstreichen lassen. Damit ist die Furcht vor einem Zusammenbruch wieder gestiegen.

Entgegen seinem Versprechen, heute fällige Zinsen zu begleichen, hat Evergrande doch nicht gezahlt. Damit ist die Furcht vor einem Zusammenbruch des hochverschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns wieder gestiegen. Die Aktie brach um zwölf Prozent ein, nachdem sie in den Vortagen um 30 Prozent gestiegen war.

Evergrande hatte eigentlich angekündigt, Zinsen in Höhe von 83,5 Millionen Dollar für eine Übersee-Anleihe auszuschütten. Die Inhaber der Anleihe hätten aber weder das Geld, noch eine Nachricht des Unternehmens erhalten, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Agentur Reuters. Unklarheit herrschte auch über Zinszahlungen von 47,5 Millionen Dollar, die in den kommenden Tagen fällig werden.

Für Evergrande beginnt nun eine 30-tägige Nachfrist, nach der der Konzern offiziell in Verzug geraten würde. Zinsen für eine heimische Anleihe hatte Evergrande zuletzt bedient. "Die Regierung in Peking denkt sich wohl, dass sie Gläubiger aus dem Ausland anders behandeln kann", sagte Karl Clowry, Partner beim Brokerhaus Addleshaw Goddard.

Notenbank pumpt erneut Geld ins System

Die chinesische Zentralbank pumpte erneut Geld in das Bankensystem, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Von Seiten der Regierung gab es aber bis zum Freitagabend keine Aussage zu möglichen Staatshilfen. Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Behörden in Peking hätten Lokalregierungen darum gebeten, Vorbereitungen für einen möglichen Zusammenbruch von Evergrande zu treffen. "Die Regierung in Peking wird wohl versuchen, größere Verwerfungen zu verhindern und vor allem die Verluste der chinesischen Bevölkerung in Grenzen zu halten", erklärte LBBW-Analyst Frank Klumpp.

Evergrande hat Finanzberater engagiert, die eine Restrukturierung ausarbeiten sollen. Einzelne Banken in China stoppten die Kreditvergabe für Immobilienentwickler, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen erfuhr. "Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur Evergrande, sondern auch einige andere Entwickler am Rande einer Liquiditäts-Krise oder sogar einer Insolvenz stehen", sagte ein Insider bei der Bank of Shanghai. Für Bauprojekte in weniger populären Städten sei es viel schwieriger geworden, Darlehen zu bekommen. Andere Banken verlangten inzwischen mehr Sicherheiten.

EZB sieht begrenzte Risiken für Europa

"Je länger die Politik wartet, bevor sie handelt, desto höher ist das Risiko einer harten Landung", warnten Analysten der Bank Société Générale. "Wir sind besorgt über die möglichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft." Bei Evergrande arbeiten 200.000 Menschen, mehrere Millionen Arbeiter werden jährlich für Bauprojekte angeheuert. Zudem haben viele Kleinanleger Geld in Evergrande-Finanzprodukte investiert. Manche von ihnen hatten vor ein paar Tagen die Zentrale des Unternehmens gestürmt und ihr Geld zurückverlangt. Analyst Jackson Chan vom Online-Broker Bondsupermart erwartet, dass Evergrande die 30-tägige Frist nun voll ausnutzt, um mögliche Unterstützung des Staates abzuwarten.

Derweil schickte die Europäische Zentralbank (EZB) beruhigende Signale in die Märkte. Die Probleme von Evergrande seien auf China zentriert, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde dem TV-Sender CNBC. "Für Europa kann ich sagen, dass das direkte Engagement begrenzt ist." Die EZB schaue sich die Situation aber an. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, hatte zuletzt erklärt, mögliche Folgen für US-Unternehmen durch die Schuldenprobleme von Evergrande seien begrenzt. Dagegen warnte die Schweizer Notenbank SNB davor, die Situation zu verharmlosen und es als lokales Problem in China zu betrachten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2021 um 11:00 Uhr.