Gestopptes Bauprojekt von Evergrande in Foshan, China | picture alliance / ASSOCIATED PR

Immobilienkonzern in der Krise Evergrande-Gläubiger vermissen ihr Geld

Stand: 07.12.2021 11:13 Uhr

Auch nach Ablauf der Frist soll der chinesische Immobilienentwickler Evergrande eine Zinszahlung nicht geleistet haben. Nun wachsen erneut die Sorgen, dass der Konzern zusammenbrechen könnte.

Die Krise des hochverschuldeten chinesischen Wohnungsbaukonzerns Evergrande spitzt sich zu. Erstmals soll der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas eine Zinszahlung auch nach Ablauf der Fristverlängerung nicht geleistet haben. Zwei Inhaber von US-Dollar-Anleihen der Evergrande-Tochter Scenery Journey hätten nach eigenen Angaben bis Dienstag um 0.30 Uhr New Yorker Zeit noch keine Zahlung erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Morgen. Die Frist war gestern abgelaufen.

Zuvor hatte der mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldete Konzern bereits angekündigt, die Zahlung von insgesamt 82,5 Millionen Dollar möglicherweise nicht leisten zu können. Schon mehrfach hatte Evergrande reguläre Zahlungsfristen nicht eingehalten, dann aber immer kurz vor dem Ablauf der 30-tägigen Fristverlängerung gezahlt.

Chinesische Zentralbank lockert Geldpolitik

Evergrande hatte zur Krisenbewältigung ein Risiko-Komitee einberufen, das den Konzern restrukturieren soll. Mit dabei sollen auch Staatsbeamte sein, was Experten als Eingreifen der Regierung deuten und bei ihnen Hoffnungen schürt, dass eine Insolvenz kontrollierbar ist. Zudem spülte die Zentralbank über Kapitalerleichterungen für Banken umgerechnet 188 Milliarden Dollar in den Finanzmarkt.

Nun wächst bei Anlegern dennoch die Angst vor einem Zahlungsausfall. Sollte dieser offiziell festgestellt werden, hätte dies auch Auswirkungen auf andere Anleihen und würde für weitere Versäumnisse sorgen.

Aktie stützt ab

Die Evergrande-Aktie brach bereits nach der gestrigen Ankündigung um 20 Prozent ein, am Finanzmarkt herrscht die Angst vor einem Flächenbrand. Die Expertenmeinungen gehen auseinander: Einige Fachleute fürchten einen Dominoeffekt im Falle einer Pleite des Immobilienkonzerns, da auch eine kleinere Bauunternehmer bereits in den vergangenen Monaten den Markt verlassen hatten.

Andere Experten sehen dieses Risiko eher nicht. "Meiner Ansicht nach ist ein Systemrisiko sehr unwahrscheinlich, und die Aufsichtsbehörden haben gute Arbeit geleistet, um dies zu einer sogenannten 'begrenzten Detonation' zu machen", sagte Liqian Ren, Direktorin beim Vermögensverwalter WisdomTree. Auch die Portfoliomanagerin Tracy Chen beim Vermögensverwalter Brandywine Global schätzt die Auswirkungen einer Evergrande-Pleite als beherrschbar ein.

Evergrande steht in ganz China hinter mehr als 1300 Immobilienprojekten. Viele davon sind noch nicht abgeschlossen, Millionen von Menschen haben bereits Anzahlungen geleistet. Außerdem beschäftigt Evergrande insgesamt rund 200.000 Mitarbeiter und heuert jährlich fast vier Millionen Menschen für Bauarbeiten an - die sozialen Folgen einer Pleite wären immens. Darum gilt Evergrande eigentlich als "too big to fail" - zu groß, als dass die Staatsführung den Konzern fallen lassen kann.