Eurowings-Maschinen am Flughafen in Hamburg. | dpa

"Massive Streikschäden" Eurowings kippt Wachstumspläne

Stand: 18.10.2022 16:24 Uhr

Als Reaktion auf den Pilotenstreik will Eurowings im kommenden Jahr weniger Maschinen in die Flotte nehmen als bislang geplant. Auch den Aufbau neuer Stellen stoppt das Tochterunternehmen der Lufthansa.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings stoppt Pläne zum Ausbau des Flugbetriebs in Deutschland und beruft sich dabei auf die Folgen des Pilotenstreiks. Die für das kommende Jahr geplante Flottenstärke von 81 Flugzeugen werde zunächst um fünf verringert, teilte das Unternehmen mit. Auch werde der geplante Aufbau von mindestens 200 weiteren Stellen bei Eurowings Deutschland im Cockpit und in der Kabine mit sofortiger Wirkung gestoppt. Grund seien "massive Streikschäden".

Beförderungen zum Kapitän gestoppt

Piloten, die heute noch in der Ausbildung sind, sollen außerdem nur befristete Verträge erhalten. Da sich der Bedarf reduziere, würden zudem alle Beförderungen zum Kapitän gestoppt, hieß es von Eurowings. Es sei die Pflicht der Fluggesellschaft, "Millionenschäden abzuwenden und die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens zu sichern".

Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit waren die Pilotinnen und Piloten von Eurowings am Montag in einen Streik getreten. Sie fordern unter anderem längere Ruhezeiten. Eurowings beziffert die Streikkosten auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Tag.

Auch Mittwoch fällt wohl jeder zweite Flug aus

Auch heute kam es wegen des Pilotenstreiks erneut zu erheblichen Einschränkungen an Deutschlands großen Airports. Am Düsseldorfer Flughafen fielen 84 von 160 Flügen aus, wie der Airport mitteilte. Am Flughafen Köln/Bonn wurden 35 von 63 ursprünglich geplanten Flügen storniert. Auch in Stuttgart, München und Hamburg kam es zu zahlreichen Absagen. Etwa jeder zweite Flug wurde gestrichen, was mehr als 20.000 Fluggäste betreffen dürfte.

Man gehe davon aus, dass am morgigen dritten Streiktag abermals etwa die Hälfte von rund 500 Flügen abgesagt werden müsse, erklärte ein Sprecher von Eurowings. Ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, der Ausstand werde nicht vorzeitig beendet. Die Gewerkschaft fordert für die rund 800 Cockpit-Beschäftigten auch kürzere Einsätze, weil das Personal überlastet sei.

Eurowings wirft der Gewerkschaft vor, Arbeitsplätze sowie "mutwillig die Zukunft der Eurowings Deutschland" zu gefährden. Das bis zum Streik angebotene Entlastungspaket erreiche die "Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren". Die Vereinigung Cockpit werde mit ihrer "unnachgiebigen Haltung kein noch besseres Angebot erstreiken".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Oktober 2022 um 12:00 Uhr.