Ein Mann hält eine Lupe vor das Facebook-Logo. | REUTERS

Mögliche Wettbewerbsverstöße EU startet Untersuchung gegen Facebook

Stand: 04.06.2021 12:14 Uhr

Die EU-Kommission hat eine Untersuchung gegen Facebook wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverstöße eingeleitet. Im Fokus steht der Kleinanzeigendienst "Facebook Marketplace". Auch Großbritannien startet eine ähnliche Untersuchung.

Wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverstöße hat die EU-Kommission eine förmliche Untersuchung gegen Facebook begonnen. Dies teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Brüssel mit. Konkret geht es um den Kleinanzeigendienst "Facebook Marketplace". Dort können Nutzer des sozialen Netzwerks privat Waren voneinander kaufen. Die EU-Kommission will nach eigenen Angaben klären, ob Facebook seine Stellung auf anderen Märkten für diesen Dienst wettbewerbswidrig ausnutzt.

Daten nutzen, um Marktplatz zu optimieren

Wenn Konkurrenzunternehmen bei Facebook für ihre Dienste Werbung trieben, könnte Facebook in Besitz wirtschaftlich wertvoller Daten gelangen und diese dann gegen Wettbewerber nutzen, lautet der Verdacht. "Nach Abschluss ihrer vorläufigen Untersuchung kann die Kommission nicht ausschließen, dass Facebook den Wettbewerb im Bereich der Online-Kleinanzeigendienste verfälscht", erklärte die Kommission. So könnte Facebook etwa aus den Werbeaktivitäten seiner Wettbewerber genaue Informationen über Vorlieben der Nutzer ableiten. Diese Informationen könnten dann genutzt werden, um Facebook Marketplace zu optimieren.

"Facebook wird jeden Monat von fast drei Milliarden Menschen genutzt und verfügt über insgesamt fast sieben Millionen Werbekunden", erklärte Vestager. "Das Unternehmen sammelt riesige Mengen an Daten über die Aktivitäten der Nutzer seines sozialen Netzwerks und anderer Dienste und ist daher in der Lage, bestimmte Kundengruppen gezielt zu erreichen."

Ungerechtfertigter Wettbewerbsvorteil?

Die Kommission werde nun eingehend untersuchen, ob Facebook dank dieser Daten einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil habe. "Wir müssen dafür sorgen, dass Daten in der heutigen digitalen Wirtschaft nicht zur Verzerrung des Wettbewerbs genutzt werden", betonte die Kommissionsvizepräsidentin.

Bei der Prüfung soll es auch darum gehen, ob die Einbettung von Facebook Marketplace in das soziale Netzwerk eine "Kopplung" darstelle, mit der Facebook konkurrierende Online-Kleinanzeigendienste behindern oder ausschließen könnte. Dies könnte ein Verstoß gegen Vorschriften zur Abwehr wettbewerbswidriger Vereinbarungen zwischen Unternehmen sein, wie es weiter hieß. Das Verfahren werde ergebnisoffen geführt.

Untersuchung auch in Großbritannien

Auch die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA (Competition and Markets Authority) habe eine Untersuchung zur Nutzung von Daten durch Facebook eingeleitet. Dabei geht es um die Frage, ob der Konzern aufgrund seiner gesammelten Daten einen unlauteren Vorteil etwa in den Bereichen gezielte Werbung oder Online-Dating hat. Man werde versuchen, eng mit der EU-Kommission zusammenzuarbeiten, erklärte CMA-Chef Andrea Coscelli.