Ampullen mit AstraZeneca-Impfstoff | REUTERS

Wegen Lieferverzögerungen EU-Kommission verklagt AstraZeneca

Stand: 26.04.2021 15:39 Uhr

Die EU hat rechtliche Schritte gegen den britisch-schwedischen Impfstoffhersteller AstraZeneca eingeleitet. Der Konzern habe sich nicht an den Liefervertrag gehalten, so ein Sprecher. AstraZeneca weist den Vorwurf zurück.

Wegen massiver Lieferverzögerungen hat die EU den Impfstoffhersteller AstraZeneca verklagt. Die EU-Kommission leitete rechtliche Schritte gegen das britisch-schwedische Unternehmen ein. Das teilte ein Kommissionssprecher mit. Alle 27 EU-Staaten würden den Schritt befürworten.

AstraZeneca habe den Vertrag über die Lieferung von Covid-19-Impfstoffen nicht eingehalten und habe keinen "zuverlässigen" Plan, zukünftig pünktlich zu liefern.

Unternehmen kürzte Lieferungen

Im Rahmen des Vertrags hatte sich das Unternehmen verpflichtet, im zweiten Quartal dieses Jahres "nach besten Kräften" 180 Millionen Impfstoffdosen an die EU zu liefern. In einer Erklärung vom 12. März dieses Jahres erklärte das Unternehmen jedoch, es wolle nur ein Drittel davon liefern.

Eine Woche später sandte die EU-Kommission deshalb im ersten Schritt eines formellen Verfahrens zur Beilegung von Streitigkeiten ein Schreiben an das Unternehmen. Die Klage ist nun der nächste Schritt. An den Lieferrückständen dürfte sich dadurch allerdings nichts ändern.

Das Verhältnis zwischen der EU-Kommission und dem Unternehmen ist schon lange angespannt - auch, weil Großbritannien von den Lieferproblemen kaum betroffen war. Die EU hatte deshalb einen Export-Kontrollmechanismus eingeführt. Eine Lieferung über 250.000 AstraZeneca-Dosen aus Italien nach Australien wurde blockiert.

AstraZeneca: Haben uns an Vereinbarungen gehalten

AstraZeneca rechtfertigte sich inzwischen für sein Vorgehen. Man habe sich an den Vertrag mit der EU-Kommission gehalten und werde sich vor Gericht verteidigen, hieß es in einer Reaktion des Unternehmens auf die Ankündigung aus Brüssel. "Wir glauben, dass dieser Rechtsstreit unbegründet ist und begrüßen die Möglichkeit, diese Auseinandersetzung so schnell wie möglich beizulegen", hieß es von AstraZeneca.

Man werde den EU-Staaten bis Ende April gemäß der Vorhersage fast 50 Millionen Impfdosen liefern. Außerdem arbeite man daran, die Produktion weiter schnellstmöglich hochzufahren.

Großteil des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer

Ein Großteil des Impfstoffs, der in den EU-Staaten gespritzt wird, stammt derzeit vom deutschen Hersteller BioNTech und seinem US-Partner Pfizer. Neben AstraZeneca haben außerdem die Präparate von Moderna sowie Johnson & Johnson eine europäische Zulassung.

Inzwischen wird der Impfstoff von AstraZeneca in vielen EU-Staaten nur noch eingeschränkt verwendet, weil er in Verbindung mit sehr seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen gebracht wird. Er ist von der EU-Arzneimittelbehörde EMA aber weiterhin uneingeschränkt freigegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. April 2021 um 14:00 Uhr.