Ein Landwirt fährt bei der Getreideernte mit seinem Mähdrescher über ein Haferfeld | picture alliance/dpa

Hagel und Starkregen Durchwachsene Erntebilanz

Stand: 27.08.2021 13:59 Uhr

Der Bauernverband rechnet mit einer enttäuschenden Getreideernte in diesem Jahr. Die Landwirte bekämen die Auswirkungen des Klimawandels in Form von Hagel und Starkregen direkt zu spüren.  

Der Deutsche Bauernverband (DBV) erwartet für dieses Jahr eine unterdurchschnittlichen Getreideernte. Beim Getreide werde eine Ernte von 42,4 Millionen Tonnen erwartet, das seien rund eine Million Tonnen oder zwei Prozent weniger als im Vorjahr, wie der DBV mitteilte. Die Ernte bleibe damit zudem 4,7 Prozent hinter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 zurück, der bei 44,2 Millionen Tonnen liegt.

"Die diesjährige Getreideernte fällt insgesamt zum wiederholten Male unterdurchschnittlich aus", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Häufiger Hagel und Starkregen hätten gezeigt, dass die Landwirte die Auswirkungen des Klimawandels direkt zu spüren bekommen.

Mais profitiert von Sommerniederschlägen

Wir sind zunächst zuversichtlich in die Ernte gestartet", erläuterte Rukwied. Die ersten Ergebnisse enttäuschten dann aber, und dies habe sich auch bestätigt. "Die Ernte 2021 wurde zur Zitterpartie." Der Verband räumt aber ein, dass es sich um vorläufige Daten handele. Da die Ernte witterungsbedingt nicht vollständig abgeschlossen sei, könnten sich die Zahlen noch geringfügig ändern. Anders als das Getreide stünden Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Gemüse aber "im Moment gut da". Sie hätten von den Sommerniederschlägen profitiert, heißt es weiter.

Der Verband äußerte sich auch zur Preisentwicklung: Die für die Bauern zu erzielenden Preise hätten deutlich zugelegt. Raps habe sich beispielsweise verglichen mit dem Vorjahr um rund 50 Prozent verteuert, eine Tonne Brotweizen koste derzeit 219 Euro, im August des Vorjahres habe der Preis bei 160 Euro gelegen.

Die knappe Versorgung der Weltmärkte gebe Anlass zur Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe von den vorangegangenen mageren Jahren zumindest ein wenig erhole.

"Sichere Ernten nicht selbstverständlich"

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte das Bundeslandwirtschaftsministeriums den amtlichen Erntebericht präsentiert, dessen Ergebnis ähnlich ausfiel. Agrarministerin Julia Klöckner hatte in Berlin gesagt, bei den Erwartungen für die Ernte seien viele Bauern diesmal lange optimistisch gewesen. "Vielerorts wurden und werden die Erntearbeiten aber durch Schauer und Gewitter ausgebremst, darunter leiden Erträge und Qualität."

Klöckner betonte, kaum ein Wirtschaftsbereich sei extremem Wetter so stark ausgesetzt wie die Landwirtschaft. "Sichere Ernten sind eben nicht selbstverständlich", sagte die Ministerin. Und das bekämen am Ende früher oder später auch Verbraucher zu spüren.

Ackerbaustrategie 2035

Um Felder und Wiesen stärker gegen den Klimawandel zu wappnen und Böden zu schonen, hat das Ministerium am Mittwoch auch eine "Ackerbaustrategie" mit Perspektiven bis 2035 vorgelegt. Ein Ziel ist mehr Vielfalt auf den Äckern. So sollen Betriebe mehr Pflanzen wechselnd anbauen, also nicht nur Weizen, Mais und Gerste, sondern auch Dinkel, Hafer, Soja und Erbsen oder Bohnen.

Gefördert werden soll auch der Aufbau von Humus in Böden. Denn je größer der Anteil, desto länger und mehr könnten Böden Kohlenstoff speichern. Helfen sollen auch neue Pflanzenzüchtungen und Digitalisierung, wie Klöckner sagte.

Von Umweltschützern kam Kritik. Statt gemeinsam mit dem Umweltressort ambitionierte Maßnahmen umzusetzen, veröffentliche das Landwirtschaftsministerium kurz vor der Bundestagswahl eine Zusammenfassung meist ohnehin bekannter Einzelmaßnahmen, erklärte der Naturschutzbund (Nabu).

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. August 2021 um 12:00 Uhr.