Das EnBW-Logo ist an einem Gebäude zu sehen. | dpa

Liefervertrag geschlossen EnBW sichert sich US-Flüssigerdgas

Stand: 21.06.2022 15:22 Uhr

Ab 2026 bezieht der Energieversorger EnBW jährlich 1,5 Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus den USA. Der Konzern baut mit diesem langjährigen Liefervertrag sein LNG-Geschäft deutlich aus.

Der Energiekonzern EnBW hat sich mit einem langfristigen Liefervertrag Zugriff auf jährlich 1,5 Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) aus den USA gesichert. Der Vertrag mit dem Unternehmen Venture Global LNG aus Arlington im US-Bundesstaat Virginia hat eine Laufzeit von 20 Jahren und sieht den Beginn der LNG-Lieferungen im Jahr 2026 vor.

"Wichtiger Schritt zur Diversifizierung"

"Dies ist der erste direkte, verbindliche Abnahmevertrag für langfristiges US-LNG, der von einem deutschen Unternehmen unterzeichnet wurde, und ein wichtiger Schritt, der die deutsche Strategie zur Diversifizierung des Energiemixes verdeutlicht", sagte Venture-Global-Chef Mike Sabel laut der gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen.

"Bei der EnBW haben wir in den letzten Jahren unsere LNG-Aktivitäten Stück für Stück ausgebaut", erklärte Georg Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur. LNG spiele eine zentrale Rolle bei dem Vorhaben, die Brennstoffe für die Strom- und Wärmeerzeugung breiter aufzustellen. "Es eröffnet die Möglichkeit neuer Bezugsquellen, um die deutsche Gasversorgung in der Übergangszeit der Energiewende zu sichern und schlägt die Brücke zur grünen Energieversorgung."

Scholz hofft auf baldigen LNG-Bezug über Lubmin

Angesichts inzwischen verminderter Gas-Lieferungen aus Russland hat LNG zuletzt für die Planung der Energieversorgung immer mehr an Bedeutung gewonnen. In Deutschland sind mehrere Projekte für die Versorgung mit LNG angeschoben worden, die über den vorübergehenden Einsatz von Spezialschiffen bis hin zum Bau mehrerer fester Terminals reichen. Derzeit verfügt Deutschland über kein eigenes LNG-Terminal.

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich optimistisch, dass in dem Ostsee-Hafen Lubmin bereits in einigen Monaten die Anlandung von LNG möglich sein wird. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir da zu guten Ergebnissen kommen", sagte Scholz nach einer Sitzung mit dem Landeskabinett von Mecklenburg-Vorpommern. "Unser Ziel ist, so viel wie möglich schon zum Jahreswechsel hinzubekommen oder etwas später, damit wir schnell von wo auch immer Gas beziehen können." Es gehe darum, weniger abhängig von russischem Gas zu werden.

Pläne für feste und schwimmende Terminals

Die Bundesnetzagentur hatte sich zuvor für ein schwimmendes Flüssiggas-Terminal in Mecklenburg-Vorpommern ausgesprochen. "Ein schwimmender Terminal vor Lubmin wird geprüft, hierzu laufen derzeit klärende Gespräche", hatte Agenturchef Klaus Müller gesagt.

EnBW will künftig mindestens drei Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas pro Jahr über das geplante LNG-Terminal in Stade beziehen. Dazu hatte der Konzern im März eine Absichtserklärung mit dem Betreiber Hanseatic Energy Hub (HEH) unterzeichnet.