Herbert Diess | REUTERS

Volkswagen-Chef Darf Diess bleiben?

Stand: 06.12.2021 18:26 Uhr

Im Ringen um die Zukunft von VW-Chef Herbert Diess deutet sich eine Lösung an. Wie mehrere Medien berichten soll der Österreicher den Konzern weiterführen, aber Befugnisse abgeben.

Nach den wochenlangen Spekulationen um einen Verbleib von Herbert Diess an der Spitze von Volkswagen mehren sich die Anzeichen, dass sich der 63-Jährige den Konzern weiter führen darf. Nach Informationen des "Handelsblatt" und der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf Insider berufen, soll der umstrittene Konzernchef seinen Posten an der Spitze von Europas größtem Autokonzern behalten; jedoch wird seine Macht begrenzt.

"Es geht in die Richtung, dass der Streit beigelegt wird und Diess Vorstandschef bleibt", sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen gegenüber Reuters. Die in langwierigen Verhandlungen gefundene Lösung sehe vor, dass VW-Markenchef Ralf Brandstätter in den Konzernvorstand aufsteige. Diess solle sich auf strategische Fragen der Konzernführung konzentrieren.

Brandstätter und Döss kommen in den Vorstand

Eine zweite Person sagte: "Das Pendel neigt sich eindeutig dahin, dass Diess bleibt." Mit dem Aufstieg von Brandstätter verliere Diess an Einfluss auf das operative Geschäft, hieß es in Konzernkreisen weiter. Das "Handelsblatt" berichtet, dass neben Brandstätter auch Manfred Döss in den Vorstand von Volkswagen aufsteigen wird. Der Chefjurist solle das Ressort Integrität und Recht von der scheidenden Hiltrud Werner übernehmen. Der 63-jährige Döss gilt als ein enger Vertrauter der Unternehmerfamilie Porsche/Piëch. Die traue ihm zu, einen positiven Einfluss auf Diess auszuüben.

Damit solle Diess "eingezäunt" werden, um ihn davon abzuhalten, den Konzern noch einmal mit unabgestimmten Aussagen in Panik zu versetzen - ganz nach dem Motto: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Weder Volkswagen noch die Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piech die Stimmrechtsmehrheit an dem Wolfsburger Autobauer halten, äußerten sich. Der Betriebsrat lehnte ebenfalls eine Stellungnahme ab.

Entscheidende Aufsichtsratssitzung am Donnerstag

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte zuvor in zahllosen Gesprächen zwischen den Fronten vermittelt. Ausgebrochen war der Streit Ende September, als Planspiele von Diess für einen möglichen Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen im Stammwerk Wolfsburg bekannt wurden. Der Betriebsrat sah dies als massiven Vertrauensbruch an. Auch das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligte Land Niedersachen war entsetzt. Dessen Ministerpräsident Stephan Weil, der auch im Aufsichtsrat von VW sitzt, nannte das Verhalten des Vorstandschefs "stillos".

Erst im Juli hatten die Eigner Diess' Vertrag im dritten Anlauf verlängert und seinen Kurs bestätigt, die Transformation zu einem Technologieanbieter nach dem Vorbild des US-Elektroautobauers Tesla zu beschleunigen.

Aus Konzernkreisen hieß es weiter, Pötsch habe auf eine Einigung in der Personalie Diess vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag gedrungen. Dann soll das Kontrollgremium die Investitionsplanung für die kommenden fünf Jahre absegnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2021 um 17:00 Uhr.