Frau sitzt am Schreibtisch während einer Videokonferenz mit den Software des Anbieters Zoom | REUTERS

Weniger Dienstreisen Virtuelle Meetings sparen Milliarden

Stand: 01.10.2021 12:52 Uhr

Deutsche Unternehmen haben durch den Verzicht auf viele Dienstreisen im vergangenen Jahr mindestens elf Milliarden Euro eingespart. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor.

Rund elf Milliarden Euro haben Unternehmen laut einer neuen Studie des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im vergangenen Jahr mindestens eingespart, indem sie Pandemie-bedingt auf viele Dienstreisen verzichteten. "Diese geschätzte Ersparnis ist eher als Untergrenze zu begreifen. Es ist wahrscheinlich, dass Unternehmen tatsächlich noch deutlich mehr gespart haben", lautet die Einschätzung von Autorin Barbara Engels vom IW.

Denn durch die Corona-Pandemie führten viele deutsche Unternehmen 2020 deutlich weniger Dienstreisen durch. Die Kosten der Firmen sanken deutlich: "Gaben Unternehmen 2019 noch 55,3 Milliarden Euro für Dienstreisen aus, waren es im Pandemiejahr 2020 nur noch 10,1 Milliarden Euro". Dies geht aus dem nun veröffentlichten Kurzbericht zur Studie hervor.

Umstellung auf digitale Konferenzen kostet

Die Autoren stellen jedoch fest, dass die Differenz von 45,2 Milliarden Euro nicht vollständig als Ersparnis zu interpretieren sei, da auf die Unternehmen auch hohe Kosten durch den Wegfall der Dienstreisen zugekommen seien - etwa "wenn notwendige Dienstreisen nicht stattfinden konnten". Der Ausfall der Dienstreisen sei für viele Unternehmen schließlich auch geschäftsschädigend gewesen, etwa wenn es wegen der ausgefallenen Dienstreisen nicht zu neuen Geschäftsabschlüssen kam. Außerdem mussten durch eine verstärkte Nutzung von Online-Diensten "Lizenzgebühren für Onlinetools ", sowie die "Technikausstattung der Mitarbeitenden" gezahlt werden.

Der Studie liegen bei ihren Berechnungen 17 Umfragen zugrunde, die der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) bei repräsentativ ausgewählten Unternehmen zwischen September 2020 und August 2021 über Dienstreisen und die Kosten durchführte. Ein bedeutender Teil der Unternehmen gab der Studie zufolge an, dass wieder mehr Geschäftsreisen aktuell nicht nötig seien. Im Jahr 2020 antworteten 38,3 Prozent der Befragten entsprechend, im Jahr 2021 noch knapp ein Viertel der Unternehmen. Es sei davon auszugehen, dass dieser Teil der Firmen mit der reduzierten Anzahl von Dienstreisen zufrieden sei, erklärten die Forscher.

Werden diese Ergebnisse mit der Differenz bei den Ausgaben für Geschäftsreisen verrechnet, so ergibt sich laut der Studie eine reale Ersparnis bei den Dienstreiseausgaben um 17,3 Milliarden Euro im Jahr 2020. Im Jahr 2021 sparten die Unternehmen demnach 11,2 Milliarden Euro Ausgaben.

Auch künftig weniger Dienstreisen

Die meisten Unternehmen hätten der Studie zufolge erkannt, dass Dienstreisen ein "großer, teurer Posten in der unternehmerischen Rechnung" sei, bei dem sich viele Möglichkeiten für Einsparungen böten. "Es ist damit zu rechnen, dass viele Unternehmen die "Zwangspause" bei den Dienstreisen als Anlass nehmen, die Notwendigkeit von Dienstreisen genauer zu prüfen. Dienstreisen sind teuer - und nicht immer erfolgskritisch", glaubt Barbara Engels.

Auch künftig könnten "viele Dienstreisen durch virtuelle Meetings und Konferenzen ersetzt werden", heißt es weiter. Die Autoren erwarten, dass das Vorkrisenniveau von 2019 nicht mehr erreicht wird. Denn: "Anreise und Abreise zu Meetings finden ja oft auch in der Arbeitszeit statt, und viele Mitarbeitende sind während dieser Zeit nicht so produktiv, als wenn sie bis zur letzten Minute vor der Einwahl in das virtuelle Meeting an ihrem Schreibtisch arbeiten würden", meint Engels.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2021 um 16:31 Uhr.