Eine Beschäftigte der Deutschen Post mit einer Fahne der Gewerkschaft Verdi. | picture alliance/dpa

Tarifstreit Ver.di will 15 Prozent mehr für Post-Beschäftigte

Stand: 21.11.2022 16:51 Uhr

Die Gewerkschaft Ver.di fordert für die Tarifbeschäftigten der Deutschen Post eine Lohnerhöhung deutlich über der aktuellen Inflationsrate. Der frühere Staatskonzern weist das zurück - es könnten Streiks drohen.

Die Gewerkschaft Ver.di fordert für die rund 160.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post 15 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sowie die Entgelte der Studierenden sollen nach den Vorstellungen der Tarifkommission in jedem Ausbildungsjahr monatlich um 200 Euro erhöht werden. Das beschloss heute die zuständige Ver.di-Tarifkommission.

"Unsere Mitglieder erwarten den Inflationsausgleich und darüber hinaus eine Beteiligung am Unternehmenserfolg", sagte Ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren unter höchsten Belastungen gearbeitet und benötigten diese deutliche Lohnsteigerung auch, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. "Streiks sind ab Januar 2023 damit nicht ausgeschlossen", hatte Kocsis bereits in einem Schreiben an die Ver.di-Mitglieder angekündigt. Ein Abschluss müsse "deutlich über den Tarifabschlüssen der letzten Jahre liegen".

Tarifverhandlungen ab Januar

Ver.di hat die bisherige Entgeltregelung bei der Post zum 31. Dezember 2022 gekündigt. Dann endet auch die Friedenspflicht. Die Tarifverhandlungen sollen der Gewerkschaft zufolge am 6. Januar 2023 beginnen.

Die Post wies die Forderung als "in der genannten Höhe realitätsfern" zurück. "Bei den anstehenden Tarifverhandlungen wird es wichtig sein, dass wir die Balance zwischen Lohnsteigerungen für unsere Beschäftigten und wirtschaftlicher Tragfähigkeit für das Unternehmen finden", hieß es von dem Konzern.

Die Post und Ver.di hatten sich zuletzt im September 2020 auf Lohnerhöhungen verständigt. Die Einigung sah damals bei einer Laufzeit von 28 Monaten unter anderem vor, dass die Löhne und Gehälter zum 1. Januar 2021 um drei Prozent und am 1. Januar 2022 noch einmal um zwei Prozent angehoben werden.

Mit der heutigen Forderung liegt Ver.di deutlich über der deutschen Inflationsrate, die zuletzt auf 10,4 Prozent geklettert war. Das hatte Auswirkungen an der Börse. Die Aktie der Deutschen Post fiel nach dem Bekanntwerden der Tarifforderung auf ein Tagestief bei 37,94 Euro - ein Minus von fast zwei Prozent.