VW-Autoterminal | picture alliance / dpa

Deutsche Industrie warnt 250.000 Arbeitsplätze hängen an Russland

Stand: 03.03.2022 15:48 Uhr

Die deutsche Industrie rechnet damit, dass die Exporte wegen des Kriegs in der Ukraine leiden werden. Gleich mehrere Effekte wirken sich negativ aus. Es könnte aber einen Profiteur geben.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat seine Exportprognose wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zurückgezogen. Der bisherige Ausblick von sechs Prozent Zuwachs in diesem Jahr sei nicht mehr zu halten, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier, ohne eine neue Vorhersage abzugeben.

Deutsche Wirtschaft trägt die Sanktionen mit

Bereits vor dem Krieg habe es weltweite Lieferprobleme und Engpässe gegeben, die jetzt verstärkt worden seien. Dazu belasteten die westlichen Sanktionen gegen Russland auch deutsche Firmen. Die Sanktionen kämen einem "Vollembargo" gleich, sagte Treier. "Die Finanzsanktionen wirken”, die deutsche Wirtschaft trage sie ohne Kritik mit.

Nach Angaben von Treier haben insgesamt rund 40.000 deutsche Betriebe Geschäftsbeziehungen mit Russland, 3650 seien sogar vor Ort mit Niederlassungen aktiv. Die prall gefüllten Auftragsbücher nützen laut Treier allerdings nichts, wenn sich die Probleme in den Lieferketten nicht bald auflösen. Von den Exporten nach Russland hingen rund 250.000 Vollzeitstellen direkt ab. Im vergangenen Jahr hätten sich die Ausfuhren dorthin auf einen Wert von 26,6 Milliarden Euro summiert. "In diesem Jahr wird es die so nicht mehr geben", so Treier.

Autoindustrie besonders betroffen

Neben den direkten Auswirkungen der Sanktionen gibt es auch indirekte durch den Krieg in der Ukraine. Die Kampfhandlungen bremsen wegen fehlender Teile unter anderem die Fahrzeugproduktion in Deutschland aus. Dabei geht es vor allem um Kabelbäume, bei denen sich der Westen der Ukraine zu einem wichtigen Produktionsstandort entwickelt hat. Hier sei mit weiteren Lieferverzögerungen zu rechnen, sagte Alexander Markus, Chef der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer.

In der vergangenen Woche, als der Krieg schon lief, hätten immer noch einige Unternehmen produziert, sagte Markus. Er vermute, es seien aber immer weniger Firmen. "In der Regel fahren sie dann die Produktion runter, frieren ihre Unternehmen ein. Da ist dann nur noch der Wachschutz, der die Unternehmen beschützt."

Profitiert China?

Zudem verfestigen sich laut dem DIHK die in der Corona-Pandemie entstandenen Handelshemmnisse: "Das sind noch einmal mehr als im Jahr 2020 mit seinen zahlreichen Corona-Lockdowns und zugleich der höchste Wert, den wir in den vergangenen zehn Jahren gemessen haben", sagte Treier. Die Lieferungen aus China müssten stärker auf den Seeweg umgestellt werden, was die schon verteuerten Frachtraten noch mehr anheben werde, sagte Treier.

Es sei spannend, ob China in die Lücke stoßen werde, die jetzt entstehe. Die Volksrepublik ist der wichtigste Handelspartner Russlands. Vermutlich werde es hier eine Intensivierung geben. "China wird dabei die Preise bestimmen", denn Russland sei in einer Notlage.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 03. März 2022 um 16:00 Uhr.