Logo der Deutschen Bank leuchtet an der Fassade der Konzernzentrale in Frankfurt | AP

Deutsche-Bank-Gewinne Die Rückkehr der Investmentbanker

Stand: 27.05.2021 06:00 Uhr

Mitten in der Krise verbucht die Deutsche Bank das beste erste Quartal seit Jahren. Doch Kritiker sehen sich an böse Zeiten erinnert: Denn die Gewinne kommen vor allem aus dem Investmentbanking.

Von Sandra Scheuring, HR

Hauptversammlungen der Deutschen Bank haben in normalen Jahren Event-Charakter. Tausende Aktionäre strömen in die Frankfurter Festhalle. Nach sorgsam vorbereiteten Reden geht es irgendwann zur Sache: Vorstand und Aufsichtsrat müssen sich der Kritik der Aktionäre stellen.

Sandra Scheuring

Vor zwei Jahren sollten 13.000 Stück Kuchen die Aktionäre bei Laune halten. Das war bitter nötig, denn Erfreuliches gab es bei der Deutschen Bank nicht zu berichten. 2021 wird die Hauptversammlung wie schon im Vorjahr Corona-bedingt online abgehalten. Statt Kuchen versüßen schwarze Zahlen die Stimmung der Aktionäre.

Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing fühlt sich darin bestätigt, 2018 den richtigen strategischen Weg eingeschlagen zu haben. So kann die Bank aktuell das beste Quartalsergebnis seit sieben Jahren verbuchen: eine Milliarde Euro Gewinn nach Steuern im Zeitraum von Januar bis März 2021.

Dicke Gewinne - dank Investmentbanking

Ausgerechnet im stark kritisierten Investmentbanking fährt die Deutsche Bank jetzt die größten Gewinne ein. Haupttreiber des Erfolgs ist der Handel mit Anleihen und Währungen. Im Kapitalmarktgeschäft konnte die Bank von der Volatilität an den Märkten profitieren. Dabei wollte Sewing eigentlich das Privat- und Firmenkundengeschäft stärken und im Gegenzug das Investmentbanking zurückstutzen. Bekanntlich hatte entfesseltes Investmentbanking zahllose Skandale verursacht und die Deutsche Bank an den Rand des Abgrunds gebracht.

"Unsere guten Ergebnisse wurden allerdings in der Öffentlichkeit nicht nur positiv aufgenommen. Unser Gewinn sei nur der Investmentbank zu verdanken, hieß es, und so sei die 'alte Deutsche Bank' wieder da. Diese Behauptungen teile ich in keiner Weise", so Sewing in seiner vorab veröffentlichten Rede. Schließlich sei man auch in den anderen Geschäftsbereichen erfolgreich gewesen und habe ohnehin nie vorgehabt, sich ganz aus dem Investmentbanking zurückzuziehen. War und bleibt die Deutsche Bank also dominiert von Investmentbankern?

Seriöses und skandalöses Investmentbanking

Jahrelang fuhren vor allem angelsächsische Investmentbanker mit riskanten Geschäften hohe Gewinne ein - und bekamen sagenhafte Boni. Rechnet man Milliardenstrafen und den beispiellosen Reputationsverlust mit ein, war das unter dem Strich kein gutes Geschäft für Deutschlands größte Bank. Auf den Druck der Regulierungsbehörden hin wandelte sich das Investmentbanking. Auch die Deutsche Bank musste sich aus hochriskanten Bereichen zurückziehen. Den Aktienhandel beispielsweise gab die Bank auf.

Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Frankfurter Goethe Universität, attestiert der Finanzbranche einen Wandel. Deshalb sei Investmentbanking nicht gleichzusetzen mit "Zocken". "Das greift zu kurz, weil das Investment Banking viele verschiedene Aktivitäten umfasst", betont er. "Das Zocken im engeren Sinne, nämlich das Spekulieren auf eigene Rechnung, wurde nach der Finanzkrise von den Banken hierzulande runtergefahren."

So beraten Banken Firmenkunden bei der Emission von Aktien und Anleihen, fädeln Fusionen und Übernahmen ein und regeln den globalen Zahlungsverkehr. Diese Geschäfte "stabilisieren gerade in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen, die dem klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft abträglich sind, die Ertragslage der Gesamtbank", so Hackethal.

Prall gefüllter Bonustopf

Was geblieben ist, ist ein milliardenschwerer Bonustopf. Auch Sewing tastet ihn nicht an. Eher wurde den Aktionären die Dividende gestrichen. Dieter Hein, Analyst bei fairesearch, beobachtet die Deutsche Bank seit Jahren. Aus seiner Sicht ist die Bank zum Selbstbedienungsladen der Investmentbanker verkommen: "In den Jahren 2015 bis 2020 hat die Bank insgesamt einen Verlust für die Aktionäre von rund 15,4 Milliarden Euro erwirtschaftet und ihre Mitarbeiter - hauptsächlich Investmentbanker - dafür mit Erfolgsboni von 10,6 Milliarden Euro belohnt." Für Hein setzt das Management damit völlig falsche Anreize - zumal die wirkliche Bilanz der Investmentbanker laut Hein schwer zu fassen ist.

"In die Bad Bank der Deutschen Bank verschieben die Investmentbanker ihre Verlustgeschäfte. Rechnet man beide Bereiche zusammen, kommt man auf sehr hohe Verluste in den Jahren 2018 und 2019", sagt Hein. "Selbst im Ausnahmejahr 2020 im Investmentbanking bleibt bei dieser Berechnung nur ein Vorsteuergewinn von knapp einer Milliarde Euro - viel zu wenig, um die Eigenkapitalkosten zu decken." Das wirft ein anderes Licht auf die Erfolgsbilanz des Investmentbankings. Denn auch wenn man von risikoreicher Spekulation abgekommen ist, scheinen nicht zuletzt die Investmentbanker selbst von ihren Geschäften zu profitieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Mai 2021 um 11:00 Uhr.