Zugreisendr vor einem ICE im Berliner Hauptbahnhof | dpa

Corona-Hilfen Milliarden für den Bahnverkehr

Stand: 01.11.2021 17:06 Uhr

Die Deutsche Bahn soll nach den Einbußen in der Corona-Pandemie nun milliardenschwere Hilfen erhalten. Das Geld ist für die Gebühren zur Nutzung des Schienennetzes im Fernverkehr vorgesehen.

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Von diesem Monat an erhalten die Deutsche Bahn und andere Unternehmen der Branche Unterstützung in Milliardenhöhe, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern. Wie eine Sprecherin der Bahn gegenüber tagesschau.de mitteilte, sind rund 2,3 Milliarden Euro an Trassenpreisförderungen sowie Schadenskompensation für den DB Fernverkehr freigegeben und werden im November an den Staatskonzern ausgezahlt. Die Sonderregelung der Trassenpreise gilt rückwirkend vom Beginn der Pandemie im März 2020 bis Anfang 2022; die Deutsche Bahn rechne mit weiteren Zahlung bis Ende des Jahres.

Lilli Hiltscher

Nutzer des Schienennetzes profitieren

Von der Subvention profitiert allerdings nicht nur der einstige Monopolist. Die Nutzer des Schienennetzes zahlen den normalen Trassenpreis an die Bahntochter DB Netz, denn die eigentliche Höhe der Preise bleibt unverändert. Danach erhalten sie vom Bund 98 Prozent der Kosten zurück, erklärt Bahnexperte Christian Böttger von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft: "Eine ähnliche Regelung gibt es bereits seit 2018 im Güterverkehr, bei dem etwa die Hälfte der Kosten vom Bund zurückerstattet wird."

Die DB Netz betreibt den Großteil des deutschen Schienennetzes. Für die Nutzung erhebt sie sogenannte "Trassenpreise". Als Trasse bezeichnet man die Berechtigung, eine bestimmte Strecke im Schienennetz zu einem festen Zeitpunkt mit einem zuvor angemeldeten Zug zu befahren. Je nachdem, ob Güter- oder Personenzüge eine Trasse befahren, variieren die Preise.

Nahverkehr erhält kein Geld

Im Personenverkehr fließt der überwiegende Teil der Deutsche Bahn zu, nur ein geringer Marktanteil entfällt auf die Konkurrenten Flixtrain und die Österreichische Bundesbahn. Im Güterverkehr gibt es ähnliche Corona-Sonderregelungen, die hier auch den Bahn-Konkurrenten von Nutzen sind. Denn hier machen Konkurrenten über die Hälfte der Schienennutzung aus. "Im Nahverkehr gibt es keine Subventionierung der Trassenpreise, weil dieser seine Verluste in Folge der Corona-Pandemie bereits von den Ländern ersetzt bekam", erklärt der Bahnexperte.

Bis jetzt ist erst ein kleiner Teil der direkten und indirekten Hilfen von insgesamt 3,77 Milliarden Euro geflossen, die die EU-Kommission genehmigt hatte. Ursprünglich hatte der Bund nur die Deutsche Bahn mit fünf Milliarden Euro subventionieren wollen, doch das hatte vor allem im Güterverkehr die Wettbewerber auf den Plan gerufen. "Trassenpreissubventionen sind wettbewerbsneutral, deshalb lässt die EU-Kommission diese zu", so Böttger. Denn dadurch profitieren neben dem Staatskonzern auch Konkurrenten von den Hilfszahlungen.

Trassenpreise müssten sinken

Bei der Deutschen Bahn sind die Trassenpreise ein wesentlicher Bestandteil des Konzerngewinns, erklärt Böttger. Dadurch sind die Preise in Deutschland verglichen mit anderen Ländern relativ hoch. "Um die Nutzung des Schienennetzes wettbewerbsfreundlicher zu machen, müssten diese Preise eigentlich sinken. Doch dann müsste die gesamte Finanzierung der Deutschen Bahn auf den Prüfstand", so der Experte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2021 um 05:00 Uhr.