Auf einer Radkappe ist das Mercedes-Benz-Logo zu sehen. | AFP

Mercedes-Benz Daimler verkauft weniger und teurere Autos

Stand: 29.10.2021 11:30 Uhr

In Zeiten des Halbleiter-Mangels baut der Autohersteller Daimler seine Chips vor allem in die besonders hochpreisigen Pkw ein. Der Absatz sinkt stark - dafür steigen die Gewinne.

Der Autohersteller Daimler hat sich im dritten Quartal als überraschend robust erwiesen. Ungeachtet des gravierenden Chipmangels, der zu Produktionsausfällen geführt hat, konnte der Stuttgarter Konzern zwischen Juli und September seinen Umsatz mit 40,1 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau halten. Unter dem Strich verdiente Daimler von Juli bis September fast 2,6 Milliarden Euro - rund ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Dabei ist der Absatz von Pkw und Lastwagen um 25 Prozent eingebrochen.

Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars und Vans verkaufte mit 471.404 Fahrzeugen sogar 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dennoch sieht das Management gute Chancen, seine Jahresziele zu erreichen. "Wir bleiben auf Kurs", erklärte Finanzchef Harald Wilhelm bei der Vorlage der Zahlen. Umsatz und operatives Ergebnis sollen in diesem Jahr deutlich über dem Vorjahr liegen. Ein günstigerer Produktmix und hohe Preisstabilität hätten dazu beigetragen, halbleiterbedingte Lieferengpässe und höhere Rohstoffpreise teilweise auszugleichen. Die Versorgung mit Halbleitern werde sich im vierten Quartal verbessern, aber auch im kommenden Jahr sei noch Knappheit zu erwarten.

Sparprogramm und Luxuslimousinen

Als Grund für die überraschend gute Quartalsbilanz nannte Wilhelm zudem "substanzielle Fortschritte" bei der Umsetzung der Konzernstrategie. Daimler-Chef Ola Källenius, der seit Mai 2019 die Marke mit dem Stern leitet, hat ein beispielloses Sparprogramm auf den Weg gebracht, dem weltweit Zehntausende Stellen zum Opfer fallen. Zudem werden unrentable Modelle eingestellt.

Parallel dazu profitiert Daimler von der Fokussierung auf hochpreisige Pkw, die mit entsprechend hohen Gewinnen verkauft werden. So werden bei Mercedes derzeit alle verfügbaren Halbleiter in die Produktion von besonders ertragsstarken Modellen wie der S-Klasse oder dem GLE gelenkt. Die Verkäufe der Spitzenlimousine Maybach liegen mit 10.800 Einheiten nach drei Quartalen auf Rekordniveau. Auch die Tuningmodelle der Tochter AMG steuern mit 116.000 verkauften Einheiten auf ein neues Allzeithoch zu. Die Montage von Mittelklassewagen der A- und B-Klasse mit eher geringen Margen wurde dagegen gedrosselt.

Sorgenkind Lkw und Busse

In seiner jüngsten Jahresprognose senkte der Konzern die Vorhersage für den Pkw-Absatz nur leicht, während die Van-Verkäufe stabil bleiben sollen. "Die Nachfrage nach allen Produkten bleibt in allen Märkten weiter stark", hieß es von Daimler. Das könnte im kommenden Jahr sogar für steigende Umsätze sorgen. Diese Tendenz ermögliche der Marke eine "hohe Preisstabilität". Finanzchef Wilhelm erwartet deshalb auch kein Absinken der Durchschnittspreise. Allerdings dürften die gestiegenen Rohstoffpreise den Konzern in diesem Jahr um rund einer Milliarde Euro belasten.

Sorgen bereitet dagegen die vor dem Börsengang stehende Tochter Daimler Trucks & Buses. Deren Betriebsgewinn sackte im dritten Quartal um 19 Prozent auf 489 Millionen Euro ab, obwohl Umsatz und Absatz einstellig zulegten. Höhere Rohstoffkosten hätten nur zum Teil durch höhere Preise ausgeglichen werden können. Im Dezember soll das Geschäft mit Lastwagen und Bussen vom Daimler-Konzern abgespalten und in Frankfurt an die Börse gebracht werden. Die verbleibende Pkw-Sparte soll dann in Mercedes-Benz Group AG umbenannt werden.

Über dieses Thema berichteten am 29. Oktober 2021 Inforadio um 09:38 Uhr und Deutschlandfunk um 13:43 Uhr.