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Risikobarometer der Allianz Cyberangriffe größte Gefahr für Firmen

Stand: 18.01.2022 08:50 Uhr

Gefährlicher als die Pandemie oder Naturkatastrophen: Fach- und Führungskräfte, die vom Versicherungskonzern Allianz befragt wurden, sehen Hackerangriffe und deren Folgen als Risiko Nummer eins für ihr Unternehmen.

Die größte Gefahr für die Unternehmen weltweit sehen Experten in der IT ihrer Firmen. Erpressung oder Schäden wie ein Produktionsstopp durch Cyberangriffe rangieren noch vor den befürchteten Schäden durch die Pandemie, Naturkatastrophen oder den Klimawandel.

Der zur Allianz gehörende Industrieversicherer AGCS hat für sein aktuelles "Risikobarometer" im vergangenen Herbst insgesamt 2650 Fachleute aus 89 Ländern befragt. Dazu zählten mehr als 1200 Führungskräfte großer Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Dollar Jahresumsatz.

Betriebsunterbrechungen für deutsche Unternehmen noch gefährlicher

Nach der Risikoeinschätzung der Manager und Sicherheitsfachleute sind Cyberangriffe 2022 die größte Gefahr für Unternehmen. Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Pandemien folgen auf den Plätzen zwei bis vier. Bei deutschen Unternehmen werden laut Umfrage allerdings Betriebsunterbrechungen noch vor den Hackerangriffen auf Platz eins der Gefahren gesehen.

Die Risiken einer Pandemie wie der derzeitigen Corona-Pandemie sind in der Wahrnehmen der Unternehmen geringer geworden. Noch im vergangenen Jahr wurden die Auswirkungen der Pandemie als zweitgrößtes Risiko von den Firmen eingeschätzt. Noch im Jahr davor lag dieses Risiko aber noch auf Platz 17 bei den Befragten.

Erpressung mit "Ransomware"

Dass Hackerangriffe inzwischen als massive Gefahr für den Betrieb angesehen werden, dürfte auch mit den Attacken der vergangenen Monate und Jahre zusammenhängen. Sehr stark zugenommen hat die Zahl der "Ransomware"-Attacken. Mit Hilfe von Verschlüsselungssoftware legen Hacker Computernetze lahm, um anschließend für die Entsperrung hohe Summen zu erpressen. Auch sehr gute IT-Sicherheitsvorkehrungen schützen nicht hundertprozentig gegen Hacker-Angriffe: "Die Unternehmen stecken sehr viel Geld in die Weiterentwicklung der IT-Sicherheit, aber dennoch stellen wir fest, dass Angreifer durchkommen und Unternehmen zum Teil auch enorm schädigen können", sagte AGCS-Experte Jens Krickhahn.

Betroffen von Attacken waren in den vergangenen Monaten etwa Einzelhandelsketten wie Coop in Schweden, aber auch kritische Infrastruktur wie beim US-Konzern Colonial Pipeline, der nach einem Hacker-Angriff seine Versorgungsleitungen für Öl und Benzin an der Ostküste der USA vorübergehend stilllegen musste.

Größere Schäden als durch den Drogenhandel

Das IT-Unternehmen Cybersecurity Ventures schätzt, dass die durch Cyberkriminalität verursachten weltweiten Schäden 2021 sechs Billionen Dollar erreicht haben. Laut den Experten könnte diese Summe bis 2025 auf 10,5 Billionen Dollar steigen. Die immense Summe beinhaltet Datendiebstahl und -zerstörung, Finanzkriminalität, Produktivitätsverluste, Diebstahl geistigen Eigentums und andere Delikte ebenso wie die Kosten der Schadenbeseitigung. Die Schäden durch Cyberangriffe wären somit größer als die durch den weltweiten Drogenhandel.

Laut dem deutschen IT-Branchenverband BITKOM 2021 ist gerade der Mittelstand in den Augen von Cyberkriminellen ein lukratives Ziel, da man sich neben guten Erfolgsaussichten tendenziell auch unter dem Radar der Strafverfolgungsbehörden bewege. Neben dem fehlenden Verständnis für die eigene Attraktivität als Unternehmen für Cyberkriminelle mangele es vor allem im Mittelstand an Personal und Ressourcen. Eine Versicherung gegen Hackerangriffe kann in der Regel nur ein Unternehmen abschließen, das bereits umfangreiche IT-Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat, denn ansonsten ist das Risiko für den Versicherer zu groß. BITKOM-Präsident Achim Berg fordert aber auch von der neuen Bundesregierung bessere Vorbeugung gegen Cyberangriffe, inklusive "ausreichender finanzieller, materieller und personeller Ressourcen für die Bundeswehr".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. November 2021 um 18:40 Uhr.