Ein Mann sitzt vor einem Computer | dpa

Weltweite Cyberattacke Hacker fordern 70 Millionen Lösegeld

Stand: 05.07.2021 09:08 Uhr

Nach der weltweiten Cyberattacke auf eine US-Firma hat die Hacker-Gruppe "REvil" ein Lösegeld von 70 Millionen US-Dollar gefordert. Der Angriff hatte in einem Domino-Effekt Tausende Firmen lahmgelegt.

Die mutmaßlich hinter dem Hackerangriff auf die US-Firma Kaseya stehende Gruppe "REvil" fordert ein Lösegeld von 70 Millionen US-Dollar. Der Betrag solle in der Digitalwährung Bitcoin bezahlt werden, hieß es in einem Blogeintrag der Gruppe. Dann sollten Daten wieder freigegeben werden. Ein Experte der Cybersicherheitsfirma Recorded Future erklärte, der Eintrag scheine echt zu sein. Die Gruppe betreibe den Blog seit letztem Jahr.

Bei dem erpresserischen Hackerangriff waren seit Freitagnachmittag weltweit möglicherweise Tausende Firmen lahmgelegt worden. Die Hackergruppe "REvil" steht im Verdacht, das Desktop-Management-Tool VSA von Kaseya gekapert und ein schadhaftes Update aufgespielt zu haben, das Tausende Kunden des US-Tech-Management-Anbieters infiziert. Dabei wurden ganze Abrechnungssysteme durch die Verschlüsselung der Hacker blockiert.

Auch deutsche Unternehmen betroffen

Auch deutsche Unternehmen waren von dem Hackerangriff getroffen. Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) meldete sich ein betroffener IT-Dienstleister aus Deutschland. Dessen Kunden seien in Mitleidenschaft gezogen worden, sagte ein BSI-Sprecher. Es handele sich um einige Tausend Computer bei mehreren Unternehmen. Nicht ausgeschlossen sei, dass weitere Unternehmen mit Beginn der Arbeitswoche Probleme feststellten.

Auch in Schweden waren die Folgen zu spüren, wo die Supermarkt-Kette Coop fast alle Läden schließen musste. Das volle Ausmaß der Schäden ist aber noch immer unklar. Sicherheitsexperten sprechen derzeit von rund 1000 Unternehmen, bei denen Systeme verschlüsselt worden seien. "REvil" behauptet, mehr als eine Million Computer seien infiziert worden.

Nicht die erste Attacke von REvil

Kaseya hat nun das Cybersicherheitsunternehmen FireEye Inc beauftragt, um die Folgen der Attacke zu bewältigen. Auf seiner Website teilte das in Miami ansässige Unternehmen Kaseya mit, dass seine Mitarbeiter bei der Untersuchung des Angriffs, von dem Hunderte Unternehmen weltweit betroffen sind, aktiv mit FireEye und anderen Sicherheitsfirmen zusammenarbeiteten. Auch US-Präsident Joe Biden ordnete eine Untersuchung des Angriffs durch die Geheimdienste an.

Die von Experten in Russland verortete Gruppe REvil steckte vor wenigen Wochen bereits hinter dem Angriff auf den weltgrößten Fleischkonzern JBS, der als Folge für mehrere Tage Werke unter anderem in den USA schließen musste. JBS zahlte den Angreifern umgerechnet elf Millionen Dollar in Kryptowährungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2021 um 09:00 Uhr.