Curevac Corona Impfstudie | picture alliance / ULMER Pressebildagentur

Tübinger Pharmafirma CureVac startet Impfstoff-Studie

Stand: 14.12.2020 09:26 Uhr

Auf dem Weg zur Zulassung seines Corona-Impfstoffes kommt das deutsche Biotech-Unternehmen einen Schritt voran: CureVac hat mit der entscheidenden Phase seiner klinischen Studien begonnen. Mit Ergebnissen wird im März gerechnet.

Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac hat den Start seiner zulassungsrelevanten klinischen Phase-III-Studie angekündigt. In die weltweite Untersuchung sei der erste Teilnehmer aufgenommen worden, teilte der Impfstoff-Hersteller am Montag mit. Die Studie soll voraussichtlich mehr als 35.000 Probanden an Standorten in Europa und Lateinamerika umfassen. Mit ersten Ergebnissen rechnet CureVac nach Angaben eines Sprechers Ende des ersten Quartals 2021.

"Mit dem Start der zulassungsrelevanten Phase-2b/3-Studie haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung unseres Impfstoffkandidaten CVnCoV erreicht", sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas. Aus der Phase-1-Studie mit dem Impfstoff hatte das Unternehmen aus Tübingen im November positive Zwischenergebnisse veröffentlicht.

Zweite Phase läuft seit Sommer

Der Impfstoff war 250 gesunden Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren verabreicht worden, um seine Verträglichkeit und Immunogenität zu überprüfen. In der zweiten Phase werden seit Spätsommer 690 Probanden in klinischen Zentren in Peru und Panama geimpft. Ziel der dritten Phase ist es, Wirksamkeit und Sicherheit des neuen sogenannten mRNA-Impfstoffs gegen das Virus zu beweisen.

Curevac | picture alliance / S. Gollnow / dpa

CureVac hat 750 Millionen Euro Förderung der Bundesregierung erhalten Bild: picture alliance / S. Gollnow / dpa

Ebenso wie der Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer arbeitet auch CureVac mit diesem synthetisch erzeugten Botenmolekül, das im Körper die Bildung eines Virus-Eiweißes anregt. Dies löst eine Immunreaktion aus, die den Menschen vor dem Virus schützen soll.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfungen, bei denen der Wirkstoff mittels Viren über mehrere Monate angezüchtet und dann in abgeschwächter Form injiziert wird, verzichtet der mRNA-Impfstoff auf lebende Krankheitserreger und Zellkulturen. Dadurch sollen sich mögliche Sicherheitsrisiken verringern. Biontech und Pfizer haben bereits die Notfallzulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten. Die Auslieferung hat mittlerweile begonnen.

Zusammenarbeit mit Wacker Chemie

Mit der EU-Kommission hat CureVac einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Millionen Impfdosen geschlossen. Wie viele Dosen nach Deutschland gehen sollen, ist nicht bekannt.

Bei der Produktion arbeitet der Biotech-Konzern mit MDax-Mitglied Wacker Chemie zusammen. Das Spezialchemie-Unternehmen solle im ersten Halbjahr 2021 mit der Produktion der mRNA-Wirkstoffsubstanz für den Impfstoffkandidaten CVnCoV beginnen, hieß es im November. Am Wacker-Standort in Amsterdam sollen so pro Jahr mehr als 100 Millionen Dosen hergestellt werden.

Aktie schießt nach oben

Der Impfstoff von CureVac gehört zu einem von drei deutschen Projekten, die von der Bundesregierung mit einem Sonderprogramm von rund 750 Millionen Euro finanziell unterstützt werden. CureVac, an dem der Bund über die Förderbank KfW knapp 17 Prozent hält, bekommt daraus bis zu 252 Millionen Euro.

An der Börse reagierten die Anleger am Montag begeistert. Die CureVac-Aktie rauschte im frühen Xetra-Handel zeitweise um mehr als 8,5 Prozent nach oben. Seit Anfang Januar stieg der Aktienkurs damit um über 150 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2020 um 10:00 Uhr.