Ein Helfer nimmt eine Probe für einen Corona-Schnelltest im Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Hildburghausen (Archivbild). | dpa

Appell aus der Politik Wie viele Unternehmen testen schon?

Stand: 23.03.2021 16:11 Uhr

Zur Eindämmung der Pandemie sind Schnelltests in Unternehmen weiterhin mitentscheidend. Die Länderchefs und die Kanzlerin setzen bei Corona-Tests in Firmen weiterhin auf Freiwilligkeit.

Unternehmen sind laut den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz nicht verpflichtet, ihren Mitarbeitern Tests anzubieten. Doch die Botschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Länderchefs geht in eine klare Richtung: Es besteht der dringende Appell, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern möglichst zweimal, zumindest aber einmal pro Woche einen Corona-Test anzubieten.

Verpflichtung bleibt möglich

Dies schließt nicht aus, dass einzelne Länder eine solche Testpflicht einführen, wie sie es etwa in Sachsen bereits seit März für mehrere Wirtschaftsbereiche gibt. Zum anderen prüfen Länderchefs und Bundesregierung in rund drei Wochen, ob und wie stark die Betriebe tatsächlich auch testen. In einer Videokonferenz am 12. April könnte es also doch noch zu einer bundesweiten Verpflichtung kommen.

Wie eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigt, ist der Wille bei den Unternehmen, schnell mehr Tests anzubieten, durchaus vorhanden. Die Hürden bei der Einführung sind aber vielfältig.

Nur ein Fünftel der Firmen testet schon

Laut der Umfrage, die an diesem Montag veröffentlicht wurde, testen derzeit nur knapp ein Fünftel der Betriebe (19 Prozent) ihre Belegschaft. Weitere 28 Prozent der Unternehmen gaben an, in Kürze mit Tests zu beginnen. Gut die Hälfte der rund 8000 befragten Unternehmen planen derzeit noch nicht, Beschäftigte zu testen.

Je größer das Unternehmen, so ein Ergebnis der DIHK-Umfrage, desto häufiger gibt es bereits eine Teststrategie. Bei mehr als 1000 Beschäftigen finden in rund 40 Prozent der Betriebe schon Tests statt, weitere 40 Prozent stehen kurz vor dem Test-Start. Dagegen hinken kleine und mittelgroße Unternehmen hinterher. Bei einer Belegschaftsgröße bis 19 Mitarbeitern testen gerade einmal knapp zehn Prozent, bei Firmen bis 250 Beschäftigten sind es knapp 20 Prozent.

Vor allem mangelnde Information zum Umgang mit den Tests wird von den Verantwortlichen in den Unternehmen als Hürde für eine schnellere Einführung einer Teststrategie genannt. Ein Viertel der Firmen gab an, kein passendes Schulungskonzept für die betriebsinterne Durchführung zu haben. Genauso oft genannt wird auch das Problem der nicht ausreichend vorhandenen Testkapazitäten. Nach wie vor gebe es das Problem, dass "vielerorts nicht ausreichend Tests verfügbar sind", bestätigt auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE gegenüber tagesschau.de. In konsequenten und zuverlässigen Tests sieht der Handel laut Genth einen "wichtigen Schritt, um mehr Normalität im Alltag für uns alle zu erreichen".

Kostenfaktor Corona-Test

Nicht zuletzt sind Tests für viele Unternehmen, besonders kleinere, ein Kostenfaktor. So hat laut einer Befragung der IHK Nordrhein-Westfalen jedes fünfte Unternehmen erklärt, die Kosten für eine breite Teststrategie nicht tragen zu können. In der Gastronomie waren es sogar mehr als 40 Prozent. Bislang müssen die Unternehmen die Kosten für die Tests noch alleine stemmen.

Ob die Tests in Unternehmen in den kommenden Monaten wirklich dazu beitragen können, die Pandemie in Schach zu halten, bleibt zudem abzuwarten. Die Schnelltests gelten im Gegensatz zu den aufwändigeren PCR-Tests als relativ ungenau. Nicht jeder Infizierte kann auch identifiziert werden. Zudem gelten, unabhängig von den Ergebnissen der Schnelltests, weiterhin Hygieneregeln wie Maskenpflicht oder Abstandsregeln in den Unternehmen. Laut Medizinern sind die Tests in den Firmen eher als Ergänzung in einem Gesamtkonzept zu sehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2021 um 17:10 Uhr.