Ein Formular mit der Aufschrift "Corona Soforthilfe des Bundes" | dpa

Eigenkapitalzuschuss Neues Hilfsangebot für Unternehmen

Stand: 20.04.2021 16:08 Uhr

Die Corona-Krise will nicht enden, und viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Mit einem Eigenkapitalzuschuss will die Bundesregierung in Not geratene Firmen stützen. Von heute an kann er beantragt werden.

"Die Corona-Lage ist weiter ernst. Daher brauchen unsere Unternehmerinnen und Unternehmer auch weiterhin unsere Unterstützung", teilte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums heute mit. Damit die schwierige Lage nicht dazu führt, dass eine unabsehbare Zahl von Unternehmen coronabedingt in die Pleite rutscht, hat die Bundesregierung von heute an ein neues Hilfsinstrument im Angebot: den Eigenkapitalzuschuss.

Vor einigen Tagen führte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dazu aus: Die Corona-Krise treffe viele Unternehmen und Beschäftigte weiterhin hart. Einige Wirtschaftszweige seien seit mehr als einem halben Jahr geschlossen: "Diesen Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern machen wir ein zusätzliches Hilfsangebot. Mit einem neuen Eigenkapitalzuschuss stärken wir unmittelbar die Substanz dieser Unternehmen und helfen ihnen so durch diese schwere Zeit."

Wer ist anspruchsberechtigt?

Firmen könnten den neuen Zuschuss seit heute mit ihrem Erstantrag auf die Überbrückungshilfe III beantragen. Anspruchsberechtigt seien Firmen mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in mindestens drei Monaten im Zeitraum von November 2020 bis Juni 2021, teilte das Wirtschaftsministerium mit.

Unternehmen, die bereits einen Erstantrag auf Überbrückungshilfe III gestellt hätten, könnten den neuen Eigenkapitalzuschuss mit einem Änderungsantrag ab Ende April beantragen.

Der Zuschuss richtet sich nach dem Betrag, den ein Betrieb bei der Überbrückungshilfe III für Fixkosten erstattet bekommt: Das sind etwa Mieten und Pachten, Zinsaufwendungen für Kredite, Ausgaben für Strom und Versicherungen. Der Zuschuss beträgt bis zu 40 Prozent des Betrags, den ein Unternehmen für die förderfähigen Fixkosten erhält.

Wie wird noch geholfen?

Die Bundesregierung hatte in der Krise umfassende Hilfsprogramme beschlossen. Das bekannteste Instrument dürfte die Überbrückungshilfe sein. Die Überbrückungshilfe III unterstützt Unternehmen, Soloselbstständige und Freiberufliche aller Branchen, sie ist "das zentrale Programm der Bundesregierung für Unternehmen mit einem erheblichen Corona-bedingten Umsatzrückgang".  

Nach Informationen des Bundeswirtschaftsministeriums wurden bis zum 13. April rund 3,1 Milliarden Euro ausgezahlt, was 42 Prozent der beantragten Hilfen entspricht.

Außerordentliche Wirtschaftshilfen

Zu den sogenannten außerordentlichen Wirtschaftshilfen zählen die November- und Dezemberhilfen. Damit unterstützt der Bund Unternehmen, Selbstständige und Vereine, die von den Schließungen ab 2. November 2020 zur Bekämpfung der Corona-Pandemie betroffen sind.

Dabei erhalten Betroffene für die Dauer der Schließungen im vergangenen November respektive Dezember einen einmaligen Zuschuss von bis zu 75 Prozent des jeweiligen Umsatzes in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Was die Dezemberhilfen betrifft, wurden bislang mehr als 5,1 Milliarden Euro ausgezahlt, das sind 81 Prozent der beantragten Hilfen.

Hinzu kommen noch die Neustarthilfe für Soloselbstständige, weitere Härtefallhilfen sowie Bürgschaften und Garantien für größere Unternehmen, Familienunternehmen und Mittelständler aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Außerdem bietet die KfW günstige Kredite an für Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler, die durch die Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten sind.

Auch steuerliche Hilfen werden gewährt

Zudem gibt es steuerliche Hilfen und Vereinfachungen, über die man sich auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums informieren kann. Dazu zählen unter anderem die Stundung von Steuerzahlungen und erleichterte Anpassung von Steuervorauszahlungen, verlängerte Abgabefristen für Steuererklärungen durch Angehörige der steuerberatenden Berufe.

Schließlich bleiben noch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten bei beweglichen Wirtschaftsgütern, steuerfreie Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld, Homeoffice-Pauschale sowie die dauerhafte Erhöhung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende.

Der Schuldenberg wächst

Die Masse der Hilfsangebote kommt den Staatshaushalt teuer zu stehen. Einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge wachsen die Staatsschulden in der Pandemie rasant. Rund 650 Milliarden Euro neue Schulden werden Bund, Länder und Kommunen bis 2022 auftürmen.

Auf insgesamt 2,7 Billionen Euro werde der Schuldenstand des deutschen Staates bis dann anwachsen, heißt es. Die Konjunkturexperten schlagen vor, auf einen allzu schnellen Schuldenabbau zu verzichten, damit der Staat sich Spielräume für Investitionen etwa in Infrastruktur erhalte und nicht zu viele Milliarden ausschließlich in den Schuldenabbau flössen.