Logo der Commerzbank an einer Filiale in Frankfurt | dpa

Neue Geschäftsmodelle Wie Banken künftig Geld verdienen wollen

Stand: 17.02.2022 10:14 Uhr

Von Bezahllösungen auf Blockchain-Basis bis zur Start-up-Finanzierung: Um dauerhaft bestehen zu können, gehen Banken neue Wege. Auch die Commerzbank spart nicht nur, sondern versucht sich mit neuen Geschäftsideen.

Von Ursula Mayer, HR

Im vergangenen Jahr hat die Commerzbank einen Gewinn von 430 Millionen Euro gemacht und ist damit trotz der Kosten des laufenden Konzernumbaus in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Das Jahr davor hatte die Bank dagegen mit einem Verlust von rund 2,9 Milliarden Euro abgeschlossen. "Wir haben im ersten Jahr der Transformation geliefert, was wir versprochen haben", sagte Bankchef Manfred Knof bei der Vorlage der Geschäftszahlen. 2022 werde aber ein entscheidendes Jahr bei der Umsetzung der neuen Strategie.

Seit Jahren gibt es bei der Commerzbank eine Sparrunde nach der anderen. Natürlich reiche es nicht zu schrumpfen und Kosten zu senken, brachte Knof das Dilemma der Bank selbst auf den Punkt. Es braucht neue Geschäftsideen.

Umbau bei der Commerzbank

Die Commerzbank, dessen größter Anteilseigner derzeit der deutsche Staat ist, verfolgt unter dem seit Januar 2021 amtierenden Vorstandschef Manfred Knof einen harten Sparkurs. Im Zuge des Restrukturierungsprozess soll bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen von ursprünglich etwa 39.500 auf 32.000 sinken. Anfang 2022 waren es etwa 36.700 Vollzeitstellen. Auch das Filialnetz wird stark ausgedünnt. Von ursprünglich 790 Zweigstellen sollen bundesweit nur noch 450 übrig bleiben. Anfang 2022 war die Zahl bereits auf 550 Filialen gesunken.

An Ideen mangelt es nicht

Zum Beispiel experimentiert die Mittelstandsbank mit der Blockchain und entwickelt innovative Bezahllösungen rund um Lieferketten: "Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Maschinenbauer in Deutschland, der liefert eine Maschine nach Nigeria, dann will der Käufer sicher sein, dass er sie wirklich erhält, bevor er zahlt", erklärt Angela Koll, die bei der Commerzbank für das Thema Handelsfinanzierung tätig ist.  

Dank der Blockchain fließt das Geld laut Koll automatisch, sobald die Maschine auf den Weg gebracht wird - für alle nachvollziehbar. Die Beteiligten sparen sich viel Papierkram, Zeit und Geld. Letztlich sieht das Finanzinstitut hier Potenzial und will über Gebühren an der neuen Bezahllösung verdienen. Bisher steckt das Projekt allerdings noch in der Pilotphase.

Mit Öffnungsschritten zu neuen Kunden

Viele Banken öffnen sich auch zunehmend für andere Unternehmen, etwa die Deutsche Bank. Wenn sich Kunden zum Beispiel auf Vergleichsportalen nach Girokonten umsehen, könnten sie es auch dort ohne Umweg über die Bank abschließen, erklärt Innovationsmanager Joris Hensen. Möglich machten das spezielle technische Schnittstellen: "Man hat die Möglichkeit, durch diese Öffnung Kunden in Momenten zu erreichen, wo man ihnen vorher kein Angebot machen konnte", sagt Hensen. Auf diese Weise habe man bereits zahlreiche neue Kunden gewonnen.

Immer wichtiger werden auch die Banking-Apps, etwa bei der ING. "Das Smartphone ist die Bankfiliale in der Hosentasche", meint Pressesprecher Alexander Baumgart. Drei Millionen Kunden nutzten die App mittlerweile regelmäßig, und zwar nicht nur, um einen Blick auf ihr Konto zu werfen. Sie tätigten darüber zum Beispiel auch über die Hälfte ihrer Wertpapiergeschäfte.  

Banker als Nachhaltigkeitsberater?

Speziell das Thema Nachhaltigkeit hat sich die Frankfurter Volksbank auf die Fahne geschrieben: Wenn sich die Kunden dort etwa eine E-Ladesäule anschaffen oder einen Altbau sanieren, will die Bank das nicht nur finanzieren, sondern auch beraten. Dafür kooperiert sie zum Beispiel mit den Stadtwerken vor Ort, einem regionalen Elektrobetrieb und Energieberatern.

Die Vorstandsvorsitzende Eva Wunsch-Weber sieht darin wichtige Zukunftsfelder. "Auch die Geschäftsmodelle der Banken werden sich dadurch verändern, und wir wollen Vorreiter sein", sagt Wunsch-Weber. Seit dem Start vor 100 Tagen habe man bereits Tausende Beratungsgespräche geführt. Unmittelbar daran verdienen kann die Bank allerdings nach eigenen Aussagen bisher nicht und hat das auch gar nicht vor.

Noch größere Wellen schlägt in der Finanzbranche, dass sich eine kleine Genossenschaftsbank aus dem Odenwald zum großen Finanzierer von Start-ups aufschwingt. Die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank aus Reinheim kooperiert unter anderem mit dem Berliner Unternehmen Ratepay, einem Spezialisten etwa für Ratenzahlung im Internet. Ein Interview gibt es dazu auf Anfrage von der Bank nicht. Und auch, was diese Kooperationen einbringen, bleibt offen.

Die Crux mit dem Geldverdienen

Hier zeigt sich am deutlichsten, wie die neuen, oft digitalen Geschäftsfelder vieles Etablierte in Frage stellen, etwa den Gedanken der Regionalität. Beim Verband der Genossenschaftsbanken heißt es, man sehe da ein Spannungsverhältnis, weil die Digitalisierung keine Ortsbegrenzung kenne. Gleichzeitig seien viele Volks- und Raiffeisenbanken tief in der Region verwurzelt. Ein Problem, das natürlich die Sparkassen gleichermaßen haben.   

Am Ende geht es auch ums Geldverdienen. Da wurden auch die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) bei ihrer Jahrespressekonferenz vor einer Woche sehr deutlich: "Die Banken sollten begreifen, wo ihre Stärken liegen und sich auf die Geschäftsfelder konzentrieren, mit denen sie am meisten Umsatz machen können", mahnte der oberste Bankenaufseher der EZB, Andrea Enria. Denn seit Jahren seien die europäischen Banken finanziell eher schwach ausgestattet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Februar 2022 um 15:41 Uhr in der Wirtschaft.