Hauptverwaltung von Alibaba in Hangzhou | REUTERS

Verfahren gegen Alibaba China pocht auf Zensur

Stand: 08.01.2021 16:08 Uhr

Die Ermittlungen gegen den Online-Riesen Alibaba und Berichte über den verschwundenen Gründer Jack Ma sind offenbar zu brisant aus Sicht der chinesischen Führung. Die Zensurbehörde hat sich eingeschaltet.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In China ermitteln die Aufsichtsbehörden seit kurz vor Weihnachten gegen Alibaba, den mit Abstand größten Online-Shopping-Konzern des Landes. Auch gegen das Tochterunternehmen von Alibaba, den Fintech-Konzern Ant, wird ermittelt. Alibaba und Ant wird Marktmissbrauch vorgeworfen.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Über die Tatsache, dass staatliche Stellen ermitteln, wurde und wird berichtet in China. Über Einzelheiten ist in der Öffentlichkeit allerdings kaum etwas bekannt. Das hat nach einem Bericht der "Financial Times" damit zu tun, dass Chinas oberste Zensurbehörde in dem Fall aktiv geworden ist. Sie habe die Medien in China ausdrücklich angewiesen, bei der Berichterstattung über Alibaba und Ant nicht von der staatlich vorgegebenen Linie abzuweichen. Die Zeitung beruft sich auf ein entsprechendes Schreiben der Zensurbehörde.

Selbstzensur an der Tagesordnung

Die Medien in China betreiben ohnehin Selbstzensur. Dass die zuständige Behörde nun noch einmal ausdrücklich darauf hinweist, zeigt, wie sensibel das Thema Alibaba für Chinas Staats- und Parteiführung ist. Ganz offensichtlich sind ihr Alibaba, Ant und der Unternehmensgründer Ma Yun alias Jack Ma zu mächtig und wirtschaftlich zu stark geworden.

Anfang November hatte die kommunistische Führung den Fintech-Konzern Ant überraschend gezwungen, nicht wie geplant an die Börse zu gehen. Es hätte der größte Börsengang der Welt werden sollen.

Jack Ma bleibt verschwunden

Auslöser war offenbar eine Rede von Firmengründer Jack Ma Ende Oktober in Shanghai. Ma hatte darin indirekt die Wirtschaftspolitik der chinesischen Staatsführung kritisiert. Seit dieser Rede ist der eigentlich sehr umtriebige und politisch gut vernetzte Star-Unternehmer von der Bildfläche verschwunden: Er ist weder öffentlich aufgetreten, noch hat er sich über seine Social-Media-Kanäle geäußert. Die Pressestelle seines Konzerns Alibaba verweist auf Terminschwierigkeiten von Jack Ma.

In ausländischen Medienberichten wird seit Wochen spekuliert, dass die Staatsführung dem Multimilliardär sämtliche öffentliche Auftritte verboten hat oder ihn sogar unter Hausarrest gestellt hat. Belege dafür gibt es nicht.

Die Privatwirtschaft zittert vor der KP

Dass die staatliche Zensurbehörde die Medien des Landes nun nochmal ausdrücklich angewiesen hat, nichts von der offiziellen Linie Abweichendes zu berichten über den Fall, zeigt nicht nur, wie politisch sensibel das Thema ist. Es verdeutlicht auch, wie abhängig in China auch Privatunternehmen vom Wohlwollen der kommunistischen Führung sind.

Staats- und Parteichef Xi Jinping hat zuletzt mehrfach betont, dass er die Unternehmen des Landes noch strikter als bisher an die Parteilinie binden will.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Januar 2021 um 12:41 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 08.01.2021 • 20:57 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir, beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation