Logo der Lufthansa am Leitwerk mehrerer parkender Flugzeuge | REUTERS

Teilverstaatlichte Airline Bund stößt erste Lufthansa-Anteile ab

Stand: 16.08.2021 11:21 Uhr

Vor über einem Jahr war der Bund im Rahmen einer Rettungsaktion als Großaktionär bei der Lufthansa eingestiegen. Nun stößt Berlin einen Teil des Aktienpakets ab - und macht dabei noch Gewinne.

Noch ist die schlimmste Krise in der Luftfahrtgeschichte nicht ganz überwunden. Doch allmählich erholen sich die Fluggesellschaften von den Einbrüchen im Passagiergeschäft, die Buchungen ziehen wieder an - auch bei der Lufthansa. Die Bundesregierung sieht das als guten Zeitpunkt, sich nach und nach bei der teilverstaatlichten Airline wieder zurückzuziehen.

Am Montag hat der Bund angekündigt, sich von Anteilen der Lufthansa zu trennen. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der in der Corona-Krise zur Rettung von Unternehmen eingerichtet worden war, will in den kommenden Wochen seine Beteiligung um maximal ein Viertel auf 15 Prozent senken.

Aktienpaket deutlich mehr wert

Im Sommer 2020 war der Bund mit 20 Prozent bei der Lufthansa eingestiegen. Das hatte ihn damals 300 Millionen Euro gekostet. Inzwischen ist das Aktienpaket gut eine Milliarde Euro wert. Das heißt: Berlin macht mit seinem Teilausstieg bei der Kranich-Airline sogar noch Gewinne.

Neben den 300 Millionen Euro für den Einstieg als Großaktionär flossen noch Milliarden als Stille Einlage. Was daraus wird, ist noch offen. Die Lufthansa will sich über eine Kapitalerhöhung im Sommer oder Frühherbst mindestens drei Milliarden Euro besorgen, um die Stille Einlage zu tilgen. Bei einer solchen Beteiligung fließt Kapital ins Unternehmen, ohne dass damit Unternehmens-Anteile erworben werden.

Am liebsten würde die Lufthansa noch vor der Bundestagswahl den staatlichen Großaktionär loswerden und wieder auf eigenen Beinen stehen. Vorstandschef Carsten Spohr hatte im Juni auf der nationalen Luftfahrtkonferenz erklärt, die Airline, die als einer der ersten Unternehmen in der Corona-Krise gerettet wurde, wolle auch bei der Rückzahlung einer der ersten sein - "hoffentlich noch vor der Bundestagswahl".

Vier Milliarden Euro an Hilfen abgerufen

"Wenn Unternehmen das Ziel haben, sich aus den Notwendigkeiten einer staatlichen Unterstützung zu befreien, dann werden wir das möglich machen", sagte jüngst Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zu den Plänen der Lufthansa. "Denn unsere Unterstützung ist ja auf den Weg gebracht worden, damit die Unternehmen die Krise überleben und dann wieder auf eigenen Füßen stehen, ohne dass wir mit unserem Geld aushelfen müssen."

Insgesamt erhielt die Lufthansa in Deutschland und in den Heimatländern ihrer Tochtergesellschaften neun Milliarden Euro an Staatshilfen - drei Milliarden Euro als Darlehen der staatlichen Förderbank KfW und sechs Milliarden Euro aus dem WSF. Von diesen sechs Milliarden Euro wurden 5,7 Milliarden Euro als Stille Einlage gewährt. Bisher hat die Airline laut Vorstandschef Spohr bisher vier Milliarden in Anspruch genommen. "Wir finanzieren uns lieber am Kapitalmarkt als beim Steuerzahler", betonte Spohr auf der Hauptversammlung im Mai.

Über dieses Thema berichtete B24 Börse am 16. August 2021 um 08:22 Uhr.