Boeing Starliner Kapsel | picture alliance/dpa/NASA/AP

Zweiter Versuch Boeing startet "Starliner"-Testflug

Stand: 03.08.2021 13:59 Uhr

Der Luftfahrtkonzern Boeing strebt auch in der Raumfahrt eine wichtige Rolle an. Der heutige Testflug der Raumkapsel "Starliner", die bald Astronauten befördern soll, steht unter Erfolgsdruck.

Wenn heute in einem zweiten Versuch die Boeing-Raumkapsel "Starliner" erfolgreich abhebt, ist das für den US-Luftfahrtkonzern ein wichtiger Schritt, um im Geschäft mit der kommerziellen Raumfahrt mit der wachsenden Konkurrenz mitzuhalten. Neben dem Luftfahrtkonzern mischen auch SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk, Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und Virgin Galactic des britischen Unternehmers Richard Branson mit. Die Branche wächst schnell.

Erster Anlauf gescheitert

Um 19:20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startet der zweite Versuch von Boeing, mit dem "Starliner" sein Weltraumprogramm wieder auf Kurs zu bringen. Das Raumschiff soll mit einer Rakete vom Typ Atlas V vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida starten. 24 Stunden später soll der "Starliner" planmäßig an der ISS andocken. An Bord befinden sich 180 Kilogramm Fracht, unter anderem zur Versorgung der aktuellen ISS-Besatzung. Zur Erde zurückkehren soll die Kapsel mit rund 250 Kilogramm Frachtgut, darunter Luftbehälter.

Ein erster unbemannter Testflug der "Starliner"-Kapsel war 2019 wegen Software-Problemen gescheitert. Das Raumschiff konnte die ISS damals nicht ansteuern und kehrte vorzeitig zur Erde zurück.

Zuletzt musste der Termin für den eigentlich vergangenen Freitag vorgesehenen zweiten Flug zur Internationalen Raumstation ISS auf heute verschoben werden. Grund war ein Zwischenfall beim Andocken des neuen russischen Labor-Moduls "Nauka" an die ISS. Die Wetterprognosen sind allerdings auch für den heutigen Versuch nicht optimal.

Raumfahrtgeschäft verspricht stabile Umsätze

Für Boeing ist ein Erfolg des "Starliner" von enormer Bedeutung, denn neben dem Bereich Luftfahrt mit seiner Flugzeugflotte soll die Sparte Verteidigung, Raumfahrt und Sicherheit, in der auch das "Starliner"-Projekt angesiedelt ist, in der Zukunft für stabile Erträge beim Konzern sorgen. Bereits jetzt erwirtschaftet der Bereich rund ein Drittel der Konzernerlöse. Und im Gegensatz zum Flugzeug-Bereich, der im vergangenen Jahr wegen Corona dramatische Einbrüche zu verzeichnen hatte, kam Boeing mit Tankflugzeugen fürs Militär und kommerziellen Satelliten und Dienstleistungen in diesem Bereich gut durch die Krise.

Das "Starliner"-Projekt geht auf eine Entscheidung der US-Raumfahrtbehörde NASA vor zehn Jahren zurück. Die NASA hatte ihr Shuttle-Programm wegen hoher Kosten und nach zwei Unglücken eingestellt und war in der Folge auf russische Raketen angewiesen, um zur ISS zu kommen. Um wieder unabhängiger von Russland zu werden, beauftragte die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama das Unternehmen SpaceX von Elon Musk sowie den Luftfahrtriesen Boeing mit dem Bau von Raumfähren.

Erst Fracht, dann Astronauten

SpaceX hat bereits Menschen zur ISS gebracht. Im Mai 2020 flogen erstmals zwei Astronauten an Bord der "Crew Dragon"-Kapsel zur ISS. Im April 2021 waren vier Raumfahrer auf der Reise zur Station an Bord. Gelingt der unbemannte "Starliner"-Flug heute, sollen nach weiteren Tests Ende des Jahres auch mit der Boeing-Kapsel Personen befördert werden.

Die NASA will bei ihren Raumflügen bewusst auf mehrere Unternehmen zurückgreifen können. Dass auch andere Konkurrenten ihre Fühler nach milliardenschweren Aufträgen in der Raumfahrt ausstrecken, hatte jüngst ein Streit um einen NASA-Auftrag für eine Mondlandefähre gezeigt: Blue Origin mit Bezos an der Spitze hatte SpaceX einen Auftrag wegschnappen wollen und dabei sogar die Übernahme von Entwicklungskosten in Milliardenhöhe angeboten. Eine Beschwerde von Blue Origin gegen den NASA-Auftrag an SpaceX beim US-Rechnungshof GOA wurde vor wenigen Tagen abgelehnt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. August 2021 um 07:45 Uhr.