Konzernzentrale von Boeing in Chicago | AFP

Neuer Firmensitz Boeing zieht näher ans Pentagon

Stand: 06.05.2022 09:55 Uhr

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing verlegt seine Konzernzentrale von Chicago in die Nähe der US-Hauptstadt Washington. Das Unternehmen rückt damit näher ans Pentagon und die US-Luftfahrtbehörde.

Der US-Konzern Boeing plant eine neue Firmenzentrale in der Nähe von Washington. Der neue Hauptsitz solle auf dem Boeing-Gelände in Arlington im Bundesstaat Virginia entstehen, teilte der Konzern mit. Bislang ist die Zentrale in Chicago angesiedelt. Das Unternehmen erklärte, dass es seinen Campus in Arlington auch nutzen wird, um ein Forschungs- und Technologiezentrum in der Region zu entwickeln.

Nähe zu Kunden

Der neue Standort liege in der Nähe von Kunden und Partnern und biete Zugang zu erstklassigen Ingenieuren, erklärte Boeing-Chef Dave Calhoun. Die US-Regierung ist der wichtigste Kunde von Boeings Rüstungsgeschäft. Am bisherigen Konzernsitz in Chicago und im dortigen Bundesstaat Illinois will der Konzern dennoch stark vertreten bleiben.

An den Zentralen der drei Konzernsparten soll sich nichts ändern: Die Verkehrsflugzeugsparte bleibt in Seattle, die Servicesparte im texanischen Plano und die Rüstungs- und Raumfahrtsparte in Arlington, wo sich jetzt auch die Konzernzentrale ansiedelt.

Virginia will Talente anlocken

Für den republikanischen Gouverneur von Virginia, Glenn Youngkin, ist der Umzug ein Erfolg. Er war im vergangenen Jahr mit dem Versprechen angetreten, neue Unternehmen und Arbeitsplätze in den Bundesstaat zu holen.

"Die Entscheidung für Virginia als Heimatstaat zeigt, dass der Commonwealth der beste Standort für Luft- und Raumfahrtunternehmen ist", erklärte Youngkin. "Ich freue mich darauf, mit Boeing zusammenzuarbeiten, um noch mehr Talente nach Virginia zu locken, vor allem angesichts des guten Rufs des Bundesstaates für technische Spitzenleistungen."

2022 schon mehr als eine Milliarde Verlust

Der Konzern rückt mit dem Umzug seine Führungsspitze auch näher an die US-Luftfahrtbehörde FAA und das Pentagon. Die Beziehung zwischen Boeing und der FAA gilt seit Abstürzen zweier Maschinen des meistverkauften Flugzeugmodells des Konzerns, 737MAX, in den Jahren 2018 und 2019 als angespannt. Die FAA hatte beinahe zwei Jahre gebraucht, um Konstruktionsänderungen zu genehmigen, mit denen das Flugzeug wieder abheben durfte.

Der Flugzeugbauer hatte in den vergangenen drei Jahren stets massive Verluste hinnehmen müssen. Im ersten Quartal dieses Jahres hat Boeing nach eigenen Angaben bereits 1,2 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Als verantwortlich dafür gelten die Corona-Krise sowie Probleme mit dem Langstreckenjet "Dreamliner" 787, die zu massiven Lieferverzögerungen führten.