Produktion im BMW-Werk Dingolfing | picture alliance/dpa/BMW AG

Vorsichtigere Ziele Ukraine-Krieg kostet BMW Rendite

Stand: 16.03.2022 11:24 Uhr

Der Autobauer BMW schätzt die Marktchancen vollelektrischer Autos zunehmend besser ein. Allerdings dürfte der Ukraine-Krieg den Münchnern bei der Rendite einen kräftigen Strich durch die Rechnung machen.

Der Münchner Autobauer BMW geht von deutlichen Belastungen wegen des Kriegs in der Ukraine aus. Für das laufende Jahr rechnet das DAX-Unternehmen nur noch mit einer Rendite von sieben bis neun Prozent im Autogeschäft. Analysten hatten BMW hier im Schnitt zuvor um die neun Prozent zugetraut.

Ohne den Ukraine-Krieg hätte BMW dieses Jahr eine Ebit-Marge, also eine Marge vor Zinsen und Steuern, von acht bis zehn Prozent geschafft, bekräftigten die Münchner. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte diese wichtige Kennziffer für die Profitabilität noch bei 10,3 Prozent gelegen.

Stehen auch bei BMW bald die Bänder still?

Hintergrund des gedämpften BMW-Ausblicks ist die Annahme, dass es in den kommenden Wochen zu Produktionsunterbrechungen kommen werde. BMW nutze seine Flexibilität in der Produktion, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Weiterhin würden zudem Teile aus dem Westen der Ukraine bezogen.

Ein Lichtblick für den Konzern ist dagegen die Übernahme der Mehrheit am chinesischen Produktions-Joint-Venture BMW Brilliance. Das dürfte den Vorsteuergewinn nach oben treiben. Die BMW-Manager betonten allerdings auch: "Mögliche weitere längerfristige Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind derzeit nicht abschätzbar und damit nicht in der Prognose enthalten."

Auch VW hat Ukraine-Sorgen

Mit seinen Ukraine-Sorgen steht BMW in der Branche nicht allein da. Nach der Erholung von der Corona-Pandemie stehen die Autokonzern nun schon wieder vor der nächsten Herausforderung. "Lieferengpässe und Preisexplosionen bei wichtigen Rohstoffen und der Wegfall des russischen Absatzmarktes verschärfen die bereits bestehenden Probleme wie den Chipmangel zusätzlich", unterstreicht Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMC Markets.

VW-Konzernchef Herbert Diess befürchtet gar, dass die weltwirtschaftlichen Folgen im Fall einer länger dauernden militärischen Auseinandersetzung noch schwerer sein könnten als bei der Covid-19-Pandemie. Bei Deutschlands größtem Unternehmen war es wegen Zuliefererproblemen an mehreren Standorten bereits zu Einschränkungen und Kurzarbeit gekommen. Von kommender Woche an soll immerhin die Golf-Produktion im Stammwerk Wolfsburg wieder anlaufen.

BMWs "Neue Klasse" will bei der Batterie punkten

Unterdessen bleibt der E-Auto-Trend für die Branche ein Hoffnungsfaktor. BMW schätzt die Marktchancen vollelektrischer Autos zunehmend besser ein. Mit ihrer von Mitte des Jahrzehnts an geplanten neuen Fahrzeuggeneration halten es die Münchener für möglich, dass der Anteil von reinen Batterieautos am weltweiten Gesamtabsatz schon vor dem bisherigen Stichjahr 2030 die 50 Prozent erreichen wird.

In der neuen Modellgeneration, die BMW "Neue Klasse" nennt, werde auch erstmals ein neuer batterieelektrischer Antrieb zum Einsatz kommen, der die Kosten für den Antriebsstrang deutlich senken soll, hieß es vom Konzern. Für diesen neuen E-Antrieb entwickle BMW aktuell eine neue Generation von Batteriezellen, zu der es noch im Laufe dieses Jahres Details geben soll.

BMW-Aktie über 100 Prozent über Corona-Tief

An der Börse kann sich die BMW-Aktie nach der heutigen Zahlenvorlage weiter erholen. Zur Mittagszeit notiert die DAX-Aktie 1,8 Prozent höher bei 76,66 Euro. Vor einer guten Wochen war das Papier bis auf 67,58 Euro in die Tiefe gerauscht und damit auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr gefallen.

Doch selbst da war die BMW-Aktie von den Tiefständen zu Beginn der Corona-Krise noch weit entfernt. Im April 2020 war das Papier im Tief gerade einmal 36,60 Euro wert. Sogar nach dem jüngsten Kursrückgang belaufen sich die seither angelaufenen Kursgewinne somit auf über 100 Prozent.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. März 2022 um 10:07 Uhr.