Stromausfall in Hannover | picture alliance / dpa

GDV zu Stromausfall-Risiko Warnung vor Blackout-Folgen in Deutschland

Stand: 16.02.2022 09:12 Uhr

Ein plötzlicher längerer Stromausfall hätte in Deutschland katastrophale Folgen. Die Bundesrepublik ist nach Einschätzung des Versicherungsverbandes GDV auf ein solches Szenario nicht vorbereitet.

Der Versicherungsverband GDV schlägt Alarm: In Deutschland mangelt es an Vorsorge für längere Stromausfälle mit potenziell katastrophalen Folgen. "Leider sind wir in Deutschland auf die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls nicht ausreichend vorbereitet", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Für einen auf der GDV-Webseite erschienenen Beitrag hat der Verband mehrere Katastrophenschützer und Krisenmanager befragt. Demnach gehört ein Blackout aktuell "zu den größten Risiken für unser Land", so Wolfram Geier, Abteilungsleiter für Risikomanagement und Internationale Angelegenheiten im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Mangelnde Sensibilität für Blackout-Risiko

Albrecht Broemme, der frühere Präsident des Technischen Hilfswerks, warnt: "Auf einen Blackout ist Deutschland überhaupt nicht vorbereitet." Die Sensibilität für die Folgen eines Blackouts sei in keiner gesellschaftlichen Gruppe vorhanden.

Doch was könnte einen solchen größeren Stromausfall verursachen? Broemme hält Hackerangriffe für die größte Gefahr. Auch Terroranschläge oder Extremwettereignisse könnten an neuralgischen Punkten die Netzstabilität in ganz Europa gefährden.

Blackouts als Schattenseite der Energiewende?

Andere Experten, darunter auch die deutschen Energieriesen E.On und RWE, sehen derweil in der Energiewende ein zusätzliches Risiko für die Stabilität des Stromnetzes in Deutschland und den Nachbarländern. Ende dieses Jahres sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Gravierende Stromausfälle hat es in Deutschland bislang zwar nicht gegeben, aber die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes ist deutlich höher als vor Beginn der Energiewende.

Die Ursachen dafür liegen auf der Hand. So sind Wind und Sonnenlicht natürlichen Schwankungen unterworfen, sie können also nicht durchgehend und ohne Unterbrechung Energie liefern. Im Zweifelsfall müssen konventionelle Kraftwerke einspringen.

Der lange Weg des Stroms von der Küste in den Süden

Hinzu kommt: Wind- und Solaranlagen stehen häufig nicht dort, wo der Strom am meisten gebraucht wird. So muss etwa der Strom aus den Windparks an der Küste bis zu den Industrieunternehmen im Süden Deutschlands transportiert werden. Das belastet entsprechend das Netz.

Auf diesen Punkt hatte jüngst auch das Baseler Prognos-Institut hingewiesen. Im jährlichen Energiewende-Monitoring für die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) warnten die Experten, dass die Versorgungssicherheit im Laufe der nächsten Jahre leiden könnte.