Eine Biotechnische Assistentin untersucht nach einer organischen Phasentrennung im Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt eine Probe. | picture alliance/dpa

Branche im Aufwind Biotech-Firmen sammeln Milliarden ein

Stand: 18.01.2022 15:41 Uhr

Die deutsche Biotechnologie-Industrie hat im vergangenen Jahr Milliarden bei Investoren eingesammelt. An das Rekordjahr 2020 kam die Branche allerdings nicht heran.

Die deutsche Biotech-Branche hat im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Euro bei Investoren eingesammelt. Damit war 2021 das zweitstärkste Jahr in der Geschichte der Branche, teilte der Verband BIO Deutschland mit. Nur im Rekordjahr 2020, das durch die Entwicklungen der Pandemie geprägt war, habe man mit etwa 3,0 Milliarden Euro noch höhere Investments verzeichnet.

Private Biotech-Firmen konnten im vergangenen Jahr rund 851 Millionen Euro Wagniskapital einnehmen. Damit machte das Wagniskapital den größten Anteil aus. Kapitalerhöhungen von börsennotierten Unternehmen beliefen sich zudem auf rund 748 Millionen Euro. Börsengänge, allesamt an der US-Technologiebörse Nasdaq, trugen 694 Millionen Euro bei.

Biotech-Unternehmen gehen nach New York

Für Börsengänge machte der Verband eine eindeutige Präferenz aus. "Für die allermeisten Biotechunternehmen, die das Thema IPO anstreben, spielen weder ein Listing in Frankfurt noch in Europa zum Beispiel an der Euronext, eine Rolle", sagte Oliver Schacht, Vorstandschef von BIO Deutschland. Auch das Mainzer Unternehmen BioNTech, das gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Pfizer den ersten Corona-Impfstoff auf den Markt brachte, ist in New York gelistet.

Amerikanische Investoren interessierten sich zunehmend für deutsche Biotechfirmen, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes, Viola Bronsema: "Wir müssen uns aktiv anstrengen, die guten Unternehmen hier zu halten, weil natürlich das Geld immer zieht. Wir können das alleine nicht stemmen, wir brauchen da wirklich in jeder Hinsicht bessere Rahmenbedingungen." Es sei aber noch viel Luft nach oben, wenn Deutschland wie im Koalitionsvertrag geschrieben die Chance wahrnehmen wolle, zu einem führenden Biotechnologie-Standort zu werden. Die Ampel-Koalition solle Biotech zur Chefsache machen.

Pandemie beschert der Branche Aufwind

Die Branche hoffe, dass der Erfolg von BioNTech auch andere Forscher hierzulande motiviere. "Die Sichtbarkeit unserer Branche war sicherlich lange nicht so hoch wie jetzt", sagte Bronsema. Gerade auch in anderen Bereichen der Biotechnologie wie etwa im Bereich des kultivierten Fleisches aus dem Labor liege ähnlich großes Potenzial.

In einer Verbandsumfrage zeigten sich viele Unternehmen optimistisch. 64 Prozent halten ihre Geschäftslage für gut, 52 Prozent erwarten eine Verbesserung. Noch 33 Prozent gaben an, dass die Corona-Krise 2021 einen Einfluss hatte. Darum wollen auch mehr Firmen ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigern und Personal aufbauen.

Das Krisenjahr 2020 hatte die noch junge Biotech-Branche positiv beeinflusst - Umsatz, Forschungsausgaben und Beschäftigung wuchsen kräftig. Biotech-Firmen tüfteln an komplexen Wirkstoffen und Therapien. Das ist teuer und langwierig, weshalb Biotechunternehmen auf Geld von Investoren angewiesen sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2021 um 14:00 Uhr.