Hauptsitz der Mainzer Pharmafirma Biontech | dpa

Von BioNTech entwickelt Frühwarnsystem für Hochrisikovarianten

Stand: 11.01.2022 15:47 Uhr

BioNTech hat mit der britischen Firma InstaDeep ein Frühwarnsystem zur Erkennung von Hochrisikovarianten des Coronavirus entwickelt. Derweil sorgt die Umsatzprognose der Mainzer für Enttäuschung.

Der Mainzer Impfstoffentwickler BioNTech hat mit der britischen Firma InstaDeep eine neue Berechnungsmethode entwickelt, mit der Hochrisikovarianten von SARS-CoV-2 vorhersagt werden können. Es handelt sich um eine Art Frühwarnsystem, das auf von künstlicher Intelligenz (KI) berechneten Daten basiert. Die hochansteckende Omikron-Variante sei von dem System am ersten Tag, an dem ihre Sequenz verfügbar wurde, als Hochrisikovariante eingestuft worden.

Die neue Methode kombiniere die Struktur des Spike-Proteins mit KI-Algorithmen, um potenziell gefährliche Varianten des Corona-Virus innerhalb von weniger als einem Tag als solche zu erkennen, erklärte BioNTech. Dazu nutzt das System Informationen aus Covid-Sequenzdatenbanken, etwa die virale Fitness des Virus sowie seine Eigenschaften zur Immunevasion.

Neue Variante aus Frankreich unbedenklich

Während des Versuchszeitraums hat das System mehr als 90 Prozent der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) identifizierten Virusvarianten zwei Monate im Voraus erkannt. Die von der WHO identifizierten Varianten Alpha, Beta, Gamma, Theta, Eta und Omikron wurden vom EWS noch in derselben Woche erkannt, in der ihre Sequenz erstmals hochgeladen wurde.

Die kürzlich in Frankreich beobachtete Variante wurde ebenfalls von dem neuen System evaluiert. Die Ergebnisse zeigen, dass ihre Fähigkeit, das Immunsystem zu umgehen, ähnlich hoch sind wie die der Omikron-Variante, dass sie aber eine deutlich geringere Fitness aufweist. Dies mache sie angesichts der aktuellen Daten weniger bedenklich, so BioNTech.

"Die frühzeitige Erkennung potenzieller Hochrisikovarianten könnte ein wirksames Instrument sein, um Forscher, Impfstoffentwickler, Gesundheitsbehörden und politische Entscheidungsträger zeitnah zu warnen und so mehr Zeit für die Einleitung entsprechender Maßnahmen gegen bedenkliche neue Virusvarianten zu haben", sagte BioNTech-Chef Ugur Sahin. Mit InstaDeep, einem Spezialisten für Künstliche Intelligenz, war BioNTech bereits Ende 2020 eine langfristige Partnerschaft eingegangen, die das Unternehmen bei der Entwicklung neuer Immuntherapien unterstützen soll.

Wie BioNTech-Chef Sahin weiter mitteilte, hat die Firma mit dem Partner Pfizer mit der Produktion eines an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffs begonnen. Ende Januar werde eine klinische Studie zu dem Impfstoff beginnen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis März für eine Belieferung des Marktes bereit sind, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen." Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat bislang noch nicht erklärt, ob sie einen an Omikron angepassten Impfstoff mit einer anderen Zusammensetzung als bei dem derzeit verwendeten Vakzin für notwendig hält.

Umsatz dürfte stagnieren

Derweil erwartet BioNTech mit seinem Impfstoff im laufenden Jahr keine weitere Umsatzsteigerung. Für 2022 geht der Vorstand von einer Spanne von 13 bis 17 Milliarden Euro aus, nachdem der Umsatz im vergangenen Jahr wie vorhergesagt bei 16 bis 17 Milliarden Euro gelegen haben dürfte. An der Börse kamen die Aussagen nicht gut an, die Aktie von BioNTech fiel unter die Schwelle von 200 Euro, nachdem sie noch Ende November bei über 300 Euro gelegen hatte.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. Januar 2022 um 17:04 Uhr.