BioNTech-Gründer Ugur Sahin vor einem Firmenlogo | REUTERS

Omikron eine Escape-Variante? Sahin hält Vakzin-Anpassung für nötig

Stand: 03.12.2021 16:48 Uhr

BioNTech-Chef Sahin rechnet angesichts der stark mutierten Omikron-Variante damit, dass der Impfstoff gegen Corona angepasst werden muss. Gegen schwere Verläufe schütze der bisherige aber dennoch.

BioNTech-Chef Ugur Sahin erwartet, dass der bestehende Impfstoff gegen Sars-CoV-2 an die neue Omikron-Mutante angepasst werden muss. Dennoch dürfte der aktuelle Impfstoff nach Einschätzung des Unternehmers weiterhin einen Schutz gegen schwere Verläufe bieten. "Ich glaube grundsätzlich, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt einen neuen Impfstoff gegen diese neue Variante benötigen werden", sagte Sahin heute auf der Konferenz "Reuters Next".

Die Frage sei nicht, ob, sondern wann dieser neue Impfstoff gegen die stark mutierte Omikron-Variante gebraucht werde. Ähnlich hatte er sich bereits vor einigen Tagen geäußert.

Coronaviren | AFP
Was ist eine "Escape-Variante"?

Varianten wie die Omikron-Mutante des Corona-Virus entstehen durch Mutationen. Alle Viren mutieren ständig; damit passen sie sich an den Wirt und die Bedingungen an. Solche Mutationen entstehen zufällig und können sich auf die Übertragbarkeit oder die Immunabwehr des Wirtes auswirken.

Bei sogenannten Escape-Varianten (das englische Wort "escape" bedeutet übersetzt "entkommen") entzieht sich die mutierte Virusvariante dem Impfstoff teilweise oder im schlimmsten Fall vollständig. Neutralisierende Antikörper docken an bestimmten Stellen des Spike-Proteins an. Wenn sich diese Andockstellen aber verändern, können die Antikörper dort nicht mehr ansetzen und das Virus abwehren. Dadurch können sowohl Geimpfte, aber auch Genese an der neuen Variante erkranken.

Da das menschliche Immunsystem aber gewissermaßen über eine dreifache Abwehrreihe verfügt - bestehend aus Antikörpern, Fresszellen und T-Zellen -, besteht in den allermeisten Fällen weiter ein Schutz gegen schwere Verläufe der Krankheit. Denn selbst wenn das Virus die Antikörper überwindet, schalten sich im weiteren Verlauf der Immun-Abwehr erst die Fress- und dann die T-Zellen ein und verhindern eine weitere Ausbreitung des Krankheitserregers. Dass eine Escape-Variante alle drei Abwehrreihen des menschlichen Immunsystems überwindet, gilt als unwahrscheinlich.

Vom Tempo der Mutationen überrascht

Laut dem BioNTech-Gründer könnte sich die Omikron zu einer Antikörper-Escape-Variante entwickeln. "Das bedeutet, dass diese Variante möglicherweise in der Lage ist, geimpfte Personen zu infizieren", so Sahin weiter. Mehr Klarheit dazu werde man in den kommenden Wochen haben.

Er selbst sei von dem Tempo der Mutationen beim Corona-Virus überrascht gewesen: "Dieses hoch mutierte Virus kam früher als ich erwartet hatte. Ich hatte irgendwann nächstes Jahr damit gerechnet, und es ist schon bei uns." Allerdings verwies Sahin auch darauf, dass Personen, die bereits ihre dritte Impfung erhalten hätten, möglicherweise nicht nur gegen schwere Verläufe, sondern gegen jegliche Art der Erkrankung für einen bestimmten Zeitraum geschützt sein könnten.

An Anpassungen der Impfstoffe wird bereits geforscht

BioNTech kündigte Ende vergangener Woche an, die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus im Labor zu überprüfen. Dabei will das Unternehmen herausfinden, wie gut sein Vakzin dagegen wirkt. Gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer hat der Mainzer Hersteller eigenen Angaben zufolge bereits vor einigen Monaten mit Vorbereitungen begonnen, den bisherigen Impfstoff im Fall von Mutationen anpassen zu können.

So könne man den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anpassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen ausliefern, teilten die Unternehmen mit. Dafür wolle man ein Standardverfahren entwickeln, das im Falle von Mutationen immer greifen könne. Es seien klinische Studien mit variantenspezifischen Impfstoffen gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden.

Ähnliche Ankündigungen gab es von Moderna. Stephane Bancel, Chef des Impfstoffherstellers, geht ebenfalls von einer geringeren Wirksamkeit der gegenwärtigen Vakzine gegen die neue Variante aus. Auch Moderna startete zuletzt mit der Entwicklung eines überarbeiteten Impfstoffs.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2021 um 16:35 Uhr.