Spritzen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von BioNTech-Pfizer. | dpa

Corona-Impfstoff BioNTech baut Produktion in Afrika auf

Stand: 26.10.2021 16:12 Uhr

Das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech will im kommenden Jahr mit dem Bau eines ersten Standorts zur Produktion seines Corona-Impfstoffs in Afrika beginnen. Das Ziel sind Hunderte Millionen Dosen, die vor Ort hergestellt werden.

Der Mainzer Hersteller BioNTech will eine eigene Impfstoffproduktion in Afrika aufbauen. Der Bau der ersten Fabrik soll Mitte 2022 beginnen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Fertigungsstätte soll der Beginn für ein Produktionsnetzwerk auf dem afrikanischen Kontinent sein. BioNTech unterzeichnete dazu eine Absichtserklärung mit der ruandischen Regierung und dem Institut Pasteur de Dakar im Senegal. Einen genauen Standort für die Produktionsstätte nannte noch nicht.

Bislang fast nur Importe

Laut BioNTech-Gründer Ugur Sahin soll ein regionales Produktionsnetzwerk aufgebaut werden, "um den Zugang zu in Afrika produzierten Impfstoffen für Afrika zu unterstützen". Das Ziel sei es, "Impfstoffe in der afrikanischen Union zu entwickeln und nachhaltige Impfstoffproduktionskapazitäten aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung in Afrika zu verbessern".

BioNTech hat die Baupläne für die geplante Anlage nach eigenen Angaben fertiggestellt und erste Teile bestellt, die Mitte 2022 geliefert werden sollen. Die neue Produktionsanlage soll der erste Knotenpunkt eines dezentralisierten afrikanischen Fertigungsnetzes werden - das heißt, der Impfstoff soll komplett vor Ort hergestellt werden. Noch importiert der Kontinent 99 Prozent seiner Impfstoffe. Ziel ist eine jährliche Produktionskapazität von mehreren hundert Millionen mRNA-basierten Impfstoffdosen.

Zunächst eine Fertigungsstraße

Das Unternehmen nutzt dabei nach eigenen Angaben die Erfahrungen beim Aufbau der Produktionsstätte in Marburg. Zunächst ist in Afrika der Bau einer ersten Fertigungsstraße geplant, die nach Fertigstellung etwa 50 Millionen Covid-19-Impfstoffdosen pro Jahr produzieren kann. Die Produktionskapazitäten sollen dann schrittweise erhöht werden, indem weitere Fertigungsstraßen und ganze Produktionsstätten zum Netzwerk auf dem Kontinent hinzugefügt werden.

BioNTech will die Produktionsstätten zunächst selbst betreiben, danach soll das Know-how an lokale Partner weitergegeben werden. Entsprechende personellen Kapazitäten und Systeme sollen in Zusammenarbeit mit den Behörden und Ruanda und Senegal aufgebaut werden. Mit dem in Kapstadt ansässigen Impfstoffhersteller Biovac, der Teil des Impfstoffherstellungsnetzwerks von Pfizer und BioNTech ist, werden außerdem Gespräche über eine Erweiterung der Partnerschaft geführt.

Niedrige Impfquoten in Afrika

Der afrikanische Kontinent leidet deutlich stärker als andere Weltregionen unter der Corona-Pandemie. Immer noch gibt es massive Unterschiede beim Fortschritt der Impfkampagnen. Während in Westeuropa im Schnitt mehr als 60 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, liegt die Impfquote bei in Afrika erst bei knapp vier Prozent. Bis Ende September sollten ursprünglich wenigstens zehn Prozent der Bevölkerung Afrikas voll immunisiert sein, doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) musste von diesem Ziel Abschied nehmen.

Für das Mainzer Unternehmen ist die Aussicht auf die Expansion nach Afrika eine weitere Erfolgsmeldung. Derzeit wird der Impfstart mit dem Vakzin, das BioNTech mit dem US-Pharmariesen Pfizer vertreibt, auch für Kinder ab fünf Jahren in den USA vorbereitet.

In Deutschland müssen sich impfwillige Eltern voraussichtlich auf einen deutlich späteren Start einstellen. Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, rechnet mit einer Zulassung des Impfstoffs durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA frühestens Mitte November. Eine klinische Studie zeigte nach Angaben von BioNTech/Pfizer, dass der Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe "gut verträglich" sei und eine "starke Immunantwort" einen Monat nach der zweiten Dosis hervorrufe. An der Studie nahmen 2268 Kinder der Altersgruppe teil.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2021 um 06:28 Uhr.