Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des Impfstoffes Comirnaty von Biontech/Pfizer. (Archivbild: 30.04.2021) | picture alliance/dpa/dpa/Pool

Lieferung ab März möglich BioNTech produziert Omikron-Impfstoff

Stand: 11.01.2022 20:25 Uhr

BioNTech hat mit der Produktion einer Impfstoff-Version begonnen, die speziell vor der Omikron-Variante des Coronavirus schützen soll. Außerdem stellte die Firma ein System vor, mit dem Risikovarianten schneller entdeckt werden können.

Das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech und sein US-Partner Pfizer haben mit der Produktion eines an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffs für eine spätere kommerzielle Nutzung begonnen. Das teilte BioNTech-Chef Ugur Sahin auf einer Gesundheitskonferenz der US-Bank J.P. Morgan mit. Ende Januar werde eine klinische Studie zu dem Impfstoff beginnen. "Wir gehen davon aus, dass wir bis März für eine Belieferung des Marktes bereit sind, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen."

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat bislang noch nicht erklärt, ob sie einen an Omikron angepassten Impfstoff mit einer anderen Zusammensetzung als bei dem derzeit verwendeten Vakzin für notwendig hält. Pfizer-Konzernchef Albert Bourla sagte dem US-Sender CNBC, das Unternehmen habe auf eigenes Risiko mit der Produktion begonnen. Er wisse nicht, ob das Mittel gebraucht oder wie es verwendet werde. "Aber wir werden bereit sein", sagte Bourla.

Ugur Sahin, Biontech | picture alliance / AA

BioNTech-Chef Sahin: "Sehr wahrscheinlich, dass ein Omikron-Impfstoff auch die Immunreaktionen gegen alle existierenden Varianten verstärkt." Bild: picture alliance / AA

Pandemie-Entwicklung laut Sahin unvorhersehbar

Die derzeit verwendeten Coronavirus-Impfstoffe verschiedener Hersteller wurden ursprünglich gegen den sogenannten Wildtyp von Sars-CoV-2 entwickelt, der Ende 2019 zuerst in China entdeckt worden war. Während die seit dem Jahreswechsel 2020/2021 eingesetzten Mittel aber auch gegen später virulente Mutanten wie Alpha oder Delta ihre Wirkung zeigten, könnte es bei Omikron anders aussehen.

Sahin sagte in seinem Online-Auftritt, aktuell sei die Pandemie-Situation weiter unklar und so sei nicht vorhersehbar, welche Virusvariante als nächste auftauche. "Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ein Omikron-Impfstoff auch die Immunreaktionen gegen alle existierenden Varianten verstärkt", so Sahin.

Frühwarnsystem für Hochrisikovarianten

Zuvor hatte BioNTech bereits mitgeteilt, mit der britischen Firma InstaDeep eine neue Berechnungsmethode entwickelt zu haben, mit der Hochrisikovarianten von SARS-CoV-2 vorhersagt werden können. Es handelt sich um eine Art Frühwarnsystem, das auf von künstlicher Intelligenz (KI) berechneten Daten basiert. Die hochansteckende Omikron-Variante sei von dem System am ersten Tag, an dem ihre Sequenz verfügbar wurde, als Hochrisikovariante eingestuft worden.

Die neue Methode kombiniere die Struktur des Spike-Proteins mit KI-Algorithmen, um potenziell gefährliche Varianten des Coronavirus innerhalb von weniger als einem Tag als solche zu erkennen, erklärte BioNTech. Dazu nutzt das System Informationen aus Covid-Sequenzdatenbanken, etwa die virale Fitness des Virus sowie seine Eigenschaften zur Immunevasion.

Noch keine endemische Entwicklung

Nach Einschätzung von BioNTech ist es noch ein weiter Weg von der pandemischen zur einer endemischen Entwicklung, also zu einer weniger gravierenden Lage als derzeit. Sichere Vorhersagen seien nicht möglich, sagte Sahin. So habe das Coronavirus aufgrund seiner Verbreitung in der ganzen Welt ein riesiges Reservoir für neue Varianten, die sich schnell ausbreiten könnten.

Im vergangenen Jahr stellten BioNTech und Pfizer den Angaben zufolge weltweit rund drei Milliarden Impfstoff-Dosen her. Der Marktanteil wurde für Dezember 2021 auf 80 Prozent in Europa und 74 Prozent in den USA geschätzt. Für das Geschäftsjahr 2022 schätzt BioNTech den Umsatz allein durch den Corona-Impfstoff auf 13 bis 17 Milliarden Euro, für das Geschäftsjahr 2021 auf 16 bis 17 Milliarden. Diese Summe entspricht der Anfang November vorgelegten Umsatzprognose für 2021. Die Zahlen für das vierte Quartal liegen noch nicht vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2022 um 20:00 Uhr.