Ugur Sahin, Biontech | picture alliance / AA

Omikron-Sorgen BioNTech optimistischer als Moderna

Stand: 01.12.2021 08:51 Uhr

Während Moderna-Chef Stéphane Bancel offen Zweifel an der Wirksamkeit der jetzigen mRNA-Impfstoffe gegen die Omikron-Variante gehegt hat, ist BioNTech-Chef Uğur Şahin deutlich optimistischer.

BioNTech-Chef Uğur Şahin erwartet, dass der bestehende Covid-19-Impfstoff des Mainzer Herstellers und seines Partners Pfizer auch bei der neuen Omikron-Variante vor schweren Krankheitsverläufen schützen kann. Schließlich sei Omikron nicht die erste Corona-Variante, die aufgetaucht sei, sagte Sahin gestern Abend in Mainz vor der Verleihung eines Preises an ihn und seine Frau.

Auf die dritte Impfung kommt es an

"Wir halten es für wahrscheinlich, dass Geimpfte einen deutlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, haben werden", sagte Şahin der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir gehen davon aus, dass dieser Schutz noch ausgeprägter ist, wenn die Menschen ihre dritte Impfung bekommen haben."

Zuvor hatte sich Şahin im "Wall Street Journal" ähnlich geäußert: Niemand solle wegen Omikron die Nerven verlieren, vielmehr gehe es jetzt darum, allen möglichst schnell Auffrischungsimpfungen zu verabreichen.

Neuer BioNTech-Impfstoff in der Entwicklungsphase

Şahin sagte dem "Wall Street Journal", der Körper bilde nach der Impfung Antikörper und T-Zellen, die der Immunabwehr dienten. Falls die Variante besser darin sei, die Antikörper zu überlisten, blieben immer noch die T-Zellen als Schutz vor schweren Krankheitsverläufen. Es sei kaum vorstellbar, dass eine Variante beide Schutzmechanismen aushebeln könnte.

Nichtsdestotrotz arbeitet der Mainzer Impfstoffhersteller neben den laufenden Labortests zur Untersuchung der neuen Corona-Variante auch an der Entwicklung eines angepassten Impfstoffs - vorbeugend für den Fall, dass dieser notwendig werden könnte. Erste Zwischenergebnisse dazu lägen noch nicht vor, sagte der Firmenchef.

Panikverkäufe nach Moderna-Aussagen

Die nahezu gelassenen Aussagen des BioNTech-Chefs stehen in deutlichem Kontrast zu den jüngsten Äußerungen von Stéphane Bancel. Der Chef des US-Pharmakonzern Moderna hatte gestern mit skeptischen Bemerkungen die globalen Aktienmärkte aufgeschreckt und Panikverkäufe ausgelöst. Anleger fürchteten, wegen Omikron könnten nun erneut massive Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens drohen. Der DAX büßte 1,2 Prozent auf 15.100 Punkte ein.

Bancel hatte der "Financial Times" gesagt, wegen der vielen Mutationen der Omikron-Variante gingen Wissenschaftler von einer "erheblichen Abnahme" der Schutzwirkung aus. "Ich denke, es wird ein erheblicher Rückgang sein. Ich weiß nur nicht, wie viel, weil wir die Daten abwarten müssen. Aber alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sind der Meinung: 'Das wird nicht gut sein'."

Eine Frage von Wochen - oder Monaten

Sein Unternehmen habe zwar bereits mit der Arbeit an einem überarbeiteten Impfstoff begonnen, so Bancel. Doch es dürfte Monate dauern, bis die Produzenten angepasste Impfstoffe in ausreichendem Umfang herstellen könnten.

Fakt ist: In knapp zwei Wochen dürfte bezüglich der Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe beider Firmen - Moderna wie BioNTech - mehr Klarheit herrschen. Der Direktorin der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, Emer Cooke, zufolge wird es zwei Wochen dauern, um Hinweise darauf zu erlangen, ob die gegenwärtigen Covid-19-Impfstoffe mit der Variante fertig werden.

Über dieses Thema berichtete ARD-Extra am 09. Dezember 2021 um 20:15 Uhr sowie die tagesthemen am 05. Dezember 2021 um 22:34 Uhr.