Ampullen mit dem Impfstoff von Pfizer/BioNTech. | dpa

Wirkt der Impfstoff? BioNTech untersucht Corona-Variante

Stand: 26.11.2021 15:34 Uhr

Der Mainzer Impfstoff- Hersteller reagiert auf die neu entdeckte Virus-Variante. BioNTech will prüfen, ob sein Vakzin ausreichend gegen B.1.1.529 wirkt - oder möglicherweise angepasst werden muss.

Der Mainzer Hersteller BioNTech hat angekündigt, die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus im Labor zu überprüfen. Dabei will das Unternehmen herausfinden, wie gut sein Vakzin auch dagegen wirkt. Spätestens in zwei Wochen sei mit Erkenntnissen zu rechnen, teilte BioNTech heute mit. Dann werde sich zeigen, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich sei, sollte sich diese Variante international verbreiten.

"Wir können die Besorgnis von Experten nachvollziehen und haben unverzüglich Untersuchungen zur Variante B.1.1.529 eingeleitet", sagte ein Sprecher. Die Variante unterscheide sich deutlich von bisher beobachteten Varianten, da sie zusätzliche Mutationen am Spike-Protein habe. Noch ist Experten zufolge unklar, ob die neue Variante gefährlicher ist als die derzeit vorherrschende Delta-Variante.

Anpassung soll innerhalb von sechs Wochen möglich sein

Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer hat BioNTech nach eigenen Angaben schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten "Escape-Variante" den mRNA-Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen. Erste Chargen des angepassten Impfstoffs könnten dem Unternehmen zufolge innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden.

Dafür seien klinische Studien mit "variantenspezifischen Impfstoffen" gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden. Als "Escape-Variante" wird eine Virus-Variante bezeichnet, die sich der Wirkung der derzeit verfügbaren Impfstoffe entzieht.

Erster Fall in Europa

Zuvor hatten südafrikanische Wissenschaftler bekanntgegeben, die neue Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 weise eine "sehr hohe Anzahl von Mutationen auf" und gebe "Anlass zur Sorge" in dem Land. Die neue Variante führt derzeit weltweit zur Unruhe bei Experten und Politikern sowie an den Finanzmärkten. Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, äußerte sich "sehr besorgt".

Deutschland und die Europäische Union reagierten daher mit Flugverboten und der Einstufung Südafrikas als Virusvariantengebiet. Allerdings ist die Variante bereits in Europa angekommen. Die Untersuchung einer Virus-Probe in Belgien habe gezeigt, dass es sich um B.1.1.529 handele, twitterte der belgische Virologe Marc Van Ranst am Nachmittag.

Sie stamme von einem Reisenden, der am 11. November aus Ägypten zurück nach Belgien gekommen sei und am 22. November erste Symptome gezeigt habe. Van Ranst hatte zuvor erklärt, es gebe zwei auffällige Proben, die untersucht würden.

EU-Exportkontrollen von Impfstoffen laufen aus

Beim Impfstoff von BioNTech kommt es derzeit in Deutschland zu Engpässen. Allerdings hat der Hersteller angekündigt, für später geplante Lieferungen vorzuziehen. Auch gilt das Vakzin des US-Unternehmens Moderna als gleichwertig. Exportkontrollen der Europäischen Union bei Corona-Impfstoffen sollen Ende des Jahres auslaufen. Anschließend werde es ein neues Überwachungsinstrument geben, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission heute in Brüssel. Von Januar 2022 an müssten Hersteller von Corona-Impfstoffen nicht mehr um Genehmigung für den Export ihrer Vakzine bitten. Dies solle dazu beitragen, eine umfangreiche und schnelle Produktion und Verteilung von Impfstoff zu ermöglichen, die die Welt so dringend brauche.

Angesichts knappen Impfstoffs und ausfallender Lieferungen hatte die EU-Kommission den Export-Mechanismus am 1. Februar eingeführt. Seitdem müssen Impfstoff-Exporte aus EU-Staaten in viele Länder angemeldet und genehmigt werden. Im März wurde das Instrument verschärft. In bestimmten Fällen kann die Ausfuhr untersagt werden. Die Sprecherin betonte, dass bislang mehr als 1,3 Milliarden Dosen aus der EU in mehr als 150 Länder exportiert worden seien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2021 um 16:00 Uhr.