Eine Krankenschwester bereitet eine Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs gegen COVID-19 in einem Impfzentrum vor. | AFP

Corona-Pandemie Viele Betriebe wollen selber impfen

Stand: 12.04.2021 14:25 Uhr

Noch sind Corona-Impfungen im Wesentlichen auf Impfzentren und Hausärzte beschränkt. Doch viele Firmen würden ihr Personal gern so bald wie möglich selbst impfen - und fühlen sich von der Politik ausgebremst.

Von Jochen Braitinger, SWR

Beim Ventilatorenhersteller EBM-Papst mit Firmenstammsitz im baden-württembergischen Mulfingen macht man sich schon seit Monaten Gedanken, wie die eigene Belegschaft geimpft werden könnte - rein organisatorisch. Die Pläne liegen längst in der Schublade, bis hin zum Shuttleservice. "Es geht um 3500 Mitarbeiter, die aus unterschiedlichen Werken anreisen müssten", sagt Ralf Stehle von der Arbeitsgruppe Pilot-Impfzentrum des Unternehmens. "Wir haben unternehmenseigene Buslinien, die wollen wir dann dazu auch einsetzen."

Stefan Brandl, der Firmenchef von EBM-Papst, hat sich vergangenen Monat beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann beworben: als "Pilotunternehmen für Covid-19-Impfungen". Nach drei Wochen des Wartens kam jetzt die Ablehnung. Die Betriebe sollten in die Impfungen einsteigen, wenn der Impfstoff keine Mangelware mehr sei, schreibt das Staatsministerium des Bundeslandes. Für ein Modellprojekt in Unternehmen sehe man keine Notwendigkeit. Die Eigeninitiative bei EBM-Papst scheint zumindest kurzfristig nicht gewünscht.

Stefan Brandl, Chef von EBM-Papst | dpa

EBM-Papst-Chef Stefan Brandl wünscht sich mehr Flexibilität bei der Impfkampagne. Bild: dpa

Betriebsärzte könnten Impftempo beschleunigen

In den VW-Werken im Bundesland Sachsen wird dagegen schon gegen Corona geimpft. Es sei ein Modellprojekt im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes, schreibt die Volkswagen AG in einer Pressemeldung. Dabei gehe es darum, eine klar definierte Risikogruppe in der Belegschaft aus dem Vogtlandkreis - einem Hochinzidenzgebiet - zu impfen.

Betriebliche Impfungen könnten zur Beschleunigung der Durchimpfung der Bevölkerung beitragen, meint man bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Mit dem Einsatz von Betriebsärzten könnte nach BDA-Schätzung zusätzlich die Arbeitszeit von 6000 Vollzeitärzten beigesteuert werden. Außerdem ließe sich das Impfen innerhalb der Unternehmen für die rund 31 Millionen Beschäftigten einfacher organisieren.

Ab Mai größere Impfstoffmengen erwartet

Bewahrheiten sich die Prognosen von Fachleuten, wird ab Mai dieses Jahres mehr Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar sein. Einer flächendeckenden Impfung auch in den Unternehmen stünde dann nichts mehr im Wege, meint man beim Verband der Deutschen Betriebs- und Werksärzte (VDBW).

Allerdings sind nach über einem Jahr Corona-Pandemie viele Fragen noch offen: Nach wie vor sei noch nicht klar, wie Betriebsärzte honoriert werden sollen, wer haftet und wie der Impfstoff in die Betriebe gelangt, sagt VDBW-Präsident Wolfgang Panter.

Mark Shiring bekommt seine Impfung durch das Autofenster | SWR

Mark Shiring, der USA-Chef von EBM-Papst, beim Impf-Selfie im Drive-Through. 30 Prozent seiner Mitarbeiter dort sind bereits geimpft. Bild: SWR

Unternehmen will weiter Druck machen

Am EBM-Papst-Stammsitz in Mulfingen ist die Sehnsucht nach Normalität groß. Im Moment bekommen die Beschäftigten zweimal die Woche einen Corona-Selbsttest, montags und mittwochs. 50.000 Testkits liegen auf Lager, weitere 50.000 sind bestellt. Doch eine durchgeimpfte Belegschaft wäre dem Vorstandsvorsitzenden Brandl lieber. Er ist der Chef von insgesamt 15.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Das Unternehmen hat auch Werke in China und den USA. Im Ausland sind momentan erheblich mehr Betriebsangehörige geimpft als in Deutschland, so Brandl. "Wir haben wahrscheinlich eine Kapazität mittlerweile von über 30 Prozent erreicht an unserem Standort in den USA. Daran erkennt man, die Amerikaner sind da wesentlich unbürokratischer, schneller - und das wäre natürlich auch schön, wenn wir das in Deutschland hinbekämen."

Unternehmen machen weiter Druck

Die Pilot-Impfzentrum-Arbeitsgruppe bei EBM-Papst rund um Ralf Stehle ist zwar von der Ablehnung für das eigene Pilot-Impfzentrum enttäuscht, lässt sich aber dennoch nicht entmutigen - auch wenn die Entscheidung der Landesregierung und der Impfstoffmangel sie vorerst zum Abwarten zwingt.

Firmenchef Brandl macht unterdessen weiter Druck: "Wenn wir Geschwindigkeit in die Impfkampagne hineinbringen wollen, dann brauchen wir die Betriebe. Und da werden wir nicht nachlassen und weiterhin am Ministerium arbeiten, dass es schnell geht und dass wir auch schnell in diese Strategie mit einsteigen können."

Über dieses Thema berichtete SWR1 Rheinland-Pfalz am 07. April 2021 um 09:00 Uhr.