Logo des Chemiekonzerns Bayer | REUTERS

Monsanto-Übernahme Bayer drohen Klagen in Milliardenhöhe

Stand: 04.01.2022 10:33 Uhr

Bayer steht auch in Deutschland vor einer Klagewelle. Anleger werfen dem Konzern vor, sie über die Risiken der Verbraucherklagen in den USA im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme getäuscht zu haben.

Die Aktionärsklagen gegen den Chemiekonzern Bayer ziehen auch in Deutschland immer größere Kreise: Bis zum Ablauf der Verjährungsfrist am 31. Dezember 2021 seien Klagen für rund 320 Kläger beim Landgericht Köln eingereicht worden, teilte die Kanzlei Tilp mit. Die auf Anleger-Musterverfahren spezialisierte Kanzlei vertritt die Kläger.

Die Forderungen der Kläger summieren sich auf rund 2,2 Milliarden Euro. Bereits im Dezember hatte die Kanzlei erklärt, mehr als 250 institutionelle Investoren und eine Vielzahl Privatanleger zu vertreten. Das Gesamtvolumen dieser Klagen habe damals mehr als eine Milliarde Euro betragen.

"Die klagenden Investoren werfen Bayer insbesondere vor, den Kapitalmarkt über die wirtschaftlichen Risiken getäuscht zu haben, welche die in den USA anhängigen Verbraucherklagen im Zusammenhang mit Glyphosat und dem Unkrautvernichtungsmittel Roundup für Bayer infolge der Monsanto-Übernahme mit sich brachten", sagte Tilp-Anwalt Axel Wegner damals.

Kursverluste infolge der Monsanto-Klagen

Der DAX-Konzern hatte 2016 für knapp 59 Milliarden Euro den US-Konzern Monsanto übernommen. Kurz nach der Übernahme kamen mehrere Klagewellen auf den Konzern zu, da das von Monsanto hergestellte Pflanzenschutzmittel Glyphosat mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht wird. Bayer wurde in den USA bereits zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar verurteilt, in der Folge fiel der Aktienkurs dramatisch.

Diese Kursverluste sind Gegenstand der Klage am Kölner Landgericht: "Im Zeitraum zwischen der Verkündung des ersten glyphosatbezogenen Urteils im Fall von Dewayne Johnson am 10. August 2018 und dem zweiten Urteil im Fall von Edwin Hardeman am 28. März 2019 sank der Kurs der Bayer-Aktie von über 93 Euro auf circa 56 Euro und damit um knapp 40 Prozent", so Tilp-Anwalt Christian Herrmann.

Bayer hält Klage für unbegründet

Bayer hält die Klagen für unbegründet. "Bayer hat die Gesetze eingehalten und ist seinen Veröffentlichungspflichten nachgekommen", teilte ein Sprecher mit. "Untersuchungen unabhängiger Experten bestätigen, dass der Bayer-Vorstand bei der Akquisition im Einklang mit seinen Pflichten gehandelt hat."

Mitte Dezember hatte das Landgericht Köln entschieden, dass der Antrag der Anwaltskanzlei auf Einleitung eines Kapitalanleger-Musterverfahrens im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. Das ist ein erster Verfahrensschritt. Gibt es genug gleichgerichtete Klagen, legt das Oberlandesgericht einen Musterkläger fest, mit dem der Prozess dann exemplarisch geführt wird.