Glyphosat | picture alliance/Patrick Pleul/ZB/dpa

Glyphosat-Rechtsstreit Neuer Rückschlag für Bayer

Stand: 27.05.2021 10:19 Uhr

Bayer hat in den USA eine weitere empfindliche juristische Niederlage im Fall des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup erlitten. Der Chemie- und Pharmakonzern stellt nun Teile seines Geschäfts auf den Prüfstand.

Der Bayer-Konzern hat einen neuen juristischen Rückschlag vor einem Bundesgericht in San Francisco erlitten. Im Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup hat Richter Vince Chhabria am Mittwoch den Antrag der Leverkusener abgelehnt, eine Beilegung künftiger Streitigkeiten gegen Zahlung von zwei Milliarden US-Dollar vorläufig zu genehmigen. Teile des nachgebesserten Antrags seien schlicht "unvernünftig", so der Bezirksrichter.

An der Börse sorgte der neuerliche Rückschlag für große Enttäuschung. Die Bayer-Aktie verlor am Morgen fast fünf Prozent an Wert.

Bayer reagiert mit Maßnahmenpaket

Als Reaktion auf die Entscheidung kündigte Bayer in der Nacht eine Reihe von Maßnahmen an, mit denen der Konzern möglichen zukünftigen Glyphosat-Klagen begegnen will. Das Maßnahmenpaket umfasse sowohl rechtliche als auch kommerzielle Schritte. Diese seien mit dem bislang vorgeschlagenen Lösungsmechanismus vergleichbar.

So erwägt Bayer offenbar, Glyphosat-basierte Produkte künftig nicht mehr Privatkunden in den USA anzubieten. "Diese Diskussionen betreffen nicht die Verfügbarkeit von Glyphosat-basierten Produkten für professionelle Nutzer und die Landwirtschaft", teilte Bayer mit. Außerdem soll eine neue Internetseite eingerichtet werden, auf der beispielsweise wissenschaftliche Studien zur Sicherheit von Glyphosat-basierten Produkten abrufbar sind.

Der Konzern werde "umgehend mit Partnern den zukünftigen Weg diskutieren", sagte Vorstandschef Werner Baumann. "Dazu gehört die Zukunft von Glyphosat-basierten Produkten in diesem Markt und die Möglichkeiten von alternativen Wirkstoffen."

Zehntausende Klagen noch offen

Zudem will der DAX-Konzern prüfen lassen, ob manche Klagen von Betroffenen nicht mit dem amerikanischen Bundesrecht kollidieren. "Ein Urteil des US Supreme Courts könnte Mitte kommenden Jahres erfolgen", teilte Bayer mit. "Fällt es in übergreifenden Fragen wie Vorrang von Bundesrecht und Zulässigkeit von Sachverständigenbeweisen zu unseren Gunsten aus, würde das künftige Haftungsrisiken erheblich reduzieren." Noch stehen für knapp 30.000 der zuletzt bekannten insgesamt 125.000 eingereichten und drohenden Klagen Einigungen aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Mai um 12:00 Uhr sowie Inforadio um 11:03 Uhr.