Menschen stehen in einem Baumarkt in einer Warteschlange | dpa

Geschäft mit Heimwerkern Baumärkte müssen umsteuern

Stand: 21.05.2022 10:37 Uhr

Hornbach, Obi, Bauhaus & Co. zählten zu den Gewinnern der Pandemie. Doch die vergangenen Monate zeigen: Frühere Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Wie reagieren die Baumärkte darauf?

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Bohren, Hämmern, Schleifen: Heimwerken hat durch Corona einen enormen Schub erlebt. Wer nicht mehr verreisen konnte, der verschönerte sein Zuhause, sagt Jörn Brüningholt, der Pressesprecher des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten. In manchen Sortimenten habe es 2020 hohe zweistellige Zuwachsraten gegeben. "Sie kriegten zum Beispiel 2020 ab dem späten Frühjahr keine Pools mehr. Es war europaweit kein einziger Pool mehr zu bekommen", berichtet Brüningholt.

Doch diese Luxuszeiten für Baumärkte sind vorbei. 2021 ging der Gesamtumsatz für Baumärkte nach Angaben des Verbandes um mehr als acht Prozent zurück auf etwa 20 Milliarden Euro. Das entspricht etwa dem Vorkrisenniveau.

Kaufverhalten der Kunden hat sich verändert

Nachhaltig hat sich jedoch das Kaufverhalten der Kunden verändert. Regionale Schließungen, unübersichtliche Corona-Regelungen, Ansteckungsängste - viele Kunden bestellten im Internet, so der Vorstandschef der Hornbach Baumarkt AG, Erich Harsch: "Während der Öffnungszeiten der stationären Märkten ist der Online-Handel wieder etwas runtergegangen - aber er ist immer noch deutlich höher als vor der Pandemie."

Die Baumärkte reagieren und stellen sich auf die neuen Herausforderungen ein. Um Lieferengpässen entgegenzuwirken, setzt Hornbach beispielsweise auf andere Handelspartner. Nähe wird dabei immer wichtiger. "Vor allem natürlich Lieferanten im näheren europäischen Umfeld, wo es ja auch unter Nachhaltigkeitsaspekten sinnvoll ist, dass man mehr aus der Nähe aufbaut und sich nicht abhängig macht aus weit entfernten Gegenden, wo es politisch nicht so stabil ist", sagt Harsch.

Erich Harsch, Vorstandschef der Hornbach Baumarkt AG | dpa

Erich Harsch, Vorstandschef der Hornbach Baumarkt AG, berichtet von weiterhin hohen Verkaufszahlen im Online-Handel der Baumarktkette. Bild: dpa

Zugang zu Rohstoffen sichern

Doch damit ist es nicht genug - um den Zugang zu Rohstoffen sicherzustellen, mussten kreative Lösungen her, erklärt Klaus Ballas, Konsumgüter-Experte bei Ernst and Young. "Letztendlich haben sich einige Baumärkte des Themas Forstwirtschaft schon angenommen und dort hinein investiert und selbst Wälder gekauft, um diesen Engpass abzudecken."

Auch aus der Praktiker-Pleite hat die Branche gelernt. "20 Prozent auf alles" - Praktiker verzockte sich damals mit Rabattverspechen. Am Ende kamen die Kunden nur, wenn es satte Schnäppchen-Aktionen gab. Dieses Konzept ging nicht auf.

Nicht nur der Preis zählt

Heute steht nicht mehr der Dumpingpreis im Vordergrund. "Die Baumärkte haben sich ja verändert in den letzten 20 Jahren", sagt Ballas, "von einem reinen Produktvertrieb, also dem Verkauf von Produkten, hin zu einem: Wie unterstütze ich das Vorhaben meiner Kunden bestens." Inzwischen sei ein Baumarkt nicht nur eine Palette von vielen Produkten, die online oder offline gekauft werden könnten. Vielmehr gehe es um Fragen "Wie mache ich mein Projekt, wie baue ich mein Badezimmer neu, wie baue ich mein Smart Home auf - dafür werden die Baumärkte zunehmend Ansprechpartner", sagt Ballas.

Risiken bleiben jedoch. Denn wenn alles immer teurer wird, wirkt sich das auch auf das Kaufverhalten der Kunden aus. Da können die Regale noch so gut bestückt sein, wenn der Kunde jeden Euro zweimal umdrehen muss.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 11. Mai 2022 um 14:24 Uhr.