In Dernau in Rheinland-Pfalz sind die Schienen der Bahnstrecke unterspült.  | dpa

Hochwasserschäden der Bahn Reparaturen könnten Jahre dauern

Stand: 23.07.2021 15:47 Uhr

Die Deutsche Bahn hofft, bis Ende des Jahres die größten Schäden in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten beheben zu können. Doch der Wiederaufbau mancher Strecken dürfte Jahre dauern.

Bahnreisende, die von Euskirchen in das 14 Kilometer entfernte Bad Münstereifel fahren wollen, müssen sich möglicherweise noch jahrelang gedulden. Wie die Deutsche Bahn heute mitteilte, dürften zwar die größten Schäden in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bis zum Jahresende behoben werden können, so dass der Verkehr wieder weitgehend normal läuft. In manchen Regionen wird es jedoch länger dauern.

Besonders an der sogenannten Erfttalbahn zwischen Euskrichen und Bad Münstereifel sieht es schlimm aus. Hier und entlang der Ahr zwischen Bad Neuenahr und Remagen sei von den bisherigen Strecken und Anbindungen teilweise gar nichts mehr zu erkennen, sagte der Vorstand für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement bei der Bahn-Tochter DB Netz, Volker Hentschel. "Hier reden wir von Monaten, wenn nicht sogar an einigen Stellen von Jahren."

Dauer des Wiederaufbaus nicht absehbar

Tatsächlich haben die Wassermassen ganze Bahndämme weggespült, Brücken zum Einsturz gebracht und Gleisverbindungen unterbrochen wie Streichhölzer. Davon betroffen ist auch die Voreifelbahn zwischen Bonn und Euskirchen. Die zuletzt als S 23 verkehrende Verbindung ist an mehreren Stellen unterbrochen und muss von Grund auf neu gebaut werden.

In Teilen zerstört ist zudem die Eifelstrecke von Trier nach Köln. Auf einigen Streckenabschnitten, etwa zwischen Gerolstein und Trier, werden zwar derzeit Busse eingesetzt, aber mehrere kleinere Bahnhöfe können noch gar nicht angefahren werden. Und derzeit ist nicht absehbar, wie lange der Wiederaufbau dauern wird, so die Bahn.

Erneuert werden muss auch die von Pendlern genutzte Strecke der S-Bahnlinie 9 von Wuppertal-Vohwinkel nach Essen-Steele, ebenso ein Teil der Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Hagen und Plettenberg im Sauerland. Der Fernverkehr zwischen dem Rhein-Ruhrgebiet und dem Rhein-Main-Gebiet wurde von der Flutkatastrophe verschont. Dies betrifft besonders die ICE-Strecke zwischen Siegburg und Frankfurt-Flughafen entlang der A3.

Rund um die Uhr unterwegs

Noch immer ist das genaue Ausmaß der Schäden aber nicht bekannt. Bisher seien noch nicht alle Strecken abschließend begutachtet worden, heißt es von der Bahn. Rund 2000 Mitarbeitende seien seit einer Woche nahezu rund um die Uhr unterwegs, um die Anlagen anzuschauen und sie da, wo es möglich ist, wieder instandzusetzen.

Derzeit liefen Gespräche über die Finanzierung mit dem Bund. Insgesamt seien 600 Kilometer Gleise betroffen, sowie 50 Brücken und Dutzende Stationen und Haltepunkte. 180 Bahnübergänge, 40 Stellwerke und mehr als 1000 Oberleitungs- und Signalmaste seien so schwer beschädigt, dass sie voraussichtlich erneuert werden müssten, sagte Hentschel. Den Schaden beziffert die Bahn auf 1,3 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2021 um 12:00 Uhr.