Claus Weselsky | dpa

Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn GDL kündigt weitere Bahn-Streiks an

Stand: 30.08.2021 18:59 Uhr

Bahnreisende brauchen erneut starke Nerven: Im Arbeitskampf mit der Deutschen Bahn hat die GDL neue Streiks angekündigt. Erst trifft es den Güterverkehr, von Donnerstag an dann bis zum 7. September den Personenverkehr.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird wieder streiken: Ab Mittwoch 17:00 Uhr soll der Güterverkehr bestreikt werden. In der Nacht zum Donnerstag wird von 02:00 Uhr an auch der Personenverkehr voraussichtlich weitgehend lahmgelegt.

Die Ausstände sollen bis zum 7. September andauern. "Es ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen und zwar absichtlich", sagte GDL-Chef Claus Weselsky bei einer Pressekonferenz. Die Gewerkschaft sehe sich zu dem neuen Ausstand gezwungen, weil die Bahn bislang kein Angebot vorgelegt habe, "das mit Zahlen, Daten und Fakten arbeitet". Unbefristete Streiks stünden derzeit aber nicht zur Debatte.

Bereits zwei Streiks in den vergangenen Wochen

Der nunmehr dritte Streik wird neben Hunderttausenden Pendlern wieder auch zahlreiche Reisende treffen. Die Urlaubssaison läuft, in mehreren Bundesländern sind noch Schulferien. Der jüngste Streik war in der Nacht zu Mittwoch vergangener Woche zu Ende gegangen. Der Bahn reagierte mit Notfahrplänen. Im Fernverkehr konnten bis zu 30 Prozent des Angebots aufrechterhalten werden, im Regionalverkehr einschließlich der S-Bahnen waren es im Schnitt 40 Prozent. Am Tag nach den bisherigen Streiks lief der Verkehr wieder weitgehend normal.

"GDL-Spitze geht es ausschließlich um Macht"

Die Bahn versucht auch jetzt wieder, die Folgen abzumildern. Reisende könnten Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben, teilte das Unternehmen mit. Auch eine Erstattung sei möglich. Der Arbeitskampf sei durch nichts zu rechtfertigen: "Der GDL-Spitze geht es ausschließlich darum, ihre Macht auszuweiten - und das zulasten der Reisenden und der Wirtschaft", sagte Personalchef Martin Seiler.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sagte, die Gewerkschaft schade dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende. "Es gibt gewisse Rechte im Grundgesetz, aber ich muss damit auch sehr behutsam umgehen", sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann.

Die GDL setzt sich für eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ein. Dabei will sie auch im Konkurrenzkampf mit der zweiten Bahn-Gewerkschaft EVG punkten. Die Gewerkschaft fordert eine Tariferhöhung um 1,4 Prozent in 2021 und 1,8 Prozent in 2022 sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn ist zu einer Lohnerhöhung in diesem Volumen bereit, aber erst später als von der Gewerkschaft gefordert. Gesprächsbereit ist der Arbeitgeber auch beim Thema Corona-Prämie, wenn auch bislang ohne beziffertes Angebot. Streit gibt es außerdem über die anstehende Reform des Betriebsrentensystems.

Bahnchef Richard Lutz hatte dem GDL-Vorsitzenden Weselsky am Wochenende vorgeworfen, mit Falschbehauptungen die Belegschaft zu spalten. Es ist keine Annäherung mit dem Management in Sicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2021 um 20:00 Uhr.