Bundesverkehrsminister Schauer mit Gesichtsmaske bei einer Veranstaltung in Bayern. | dpa

Grenzwerte für Verbrenner Scheuer warnt vor zu scharfen Vorgaben

Stand: 05.04.2021 07:11 Uhr

Die EU will im Sommer schärfere Grenzwerte für Autos mit Benzin- und Dieselmotoren vorschlagen. Verkehrsminister Scheuer warnt schon jetzt vor zu großem Innovationsdruck auf Europas Autoindustrie.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer warnt die EU-Kommission vor zu strengen Vorgaben für die Autoindustrie. Der CSU-Politiker sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Man soll mutig sein in den Vorgaben, aber den Grundsatz des technisch Möglichen im Blick haben." Europa dürfe seine Autoindustrie nicht verlieren, weil diese sich sonst woanders niederlassen werde. Er wolle, dass die Branche eine Zukunft habe. Das gelingt nach Ansicht Scheuers aber nur mit Innovation: "Nur ein Ziel zu formulieren, ergibt noch kein gutes Klima und keine gute Luft." Europa müsse sich modern und innovativ aufstellen, auch mit strengen Vorgaben, die aber leistbar und umsetzbar sein müssten. "Dann machen wir das Richtige", so der Bundesverkehrsminister.

Vorschläge aus Brüssel im Sommer

In der Diskussion geht es um eine Verschärfung der CO2-Grenzwerte für mehr Klimaschutz. Brüssel wird dazu voraussichtlich im Juni Vorschläge machen. Außerdem sollen im Zuge der neuen Abgasnorm Euro 7 striktere Vorgaben für den Ausstoß von Stickoxiden und andere Schadstoffe formuliert werden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte mit Blick auf die neue Abgasnorm bereits vor einem de-facto-Aus für Autos mit Verbrennungsmotor von 2025 an gewarnt. In Deutschland hängen vor allem viele kleine und mittlere Zulieferer der Autoindustrie an der Produktion von Verbrennern. Auf Deutschlands Straßen dominieren Autos mit Benzin- oder Dieselmotor nach wie vor deutlich, auch wenn der Absatz von Elektro-Autos in den vergangenen Monaten deutlich angezogen hat. Das liegt vor allem an staatlich gelenkten Kaufanreizen. Gleichzeitig soll die Ladeinfrastruktur deutlich ausgebaut werden - hier drückt die Automobilbranche aufs Tempo.

Scheuer fordert "Technologieoffenheit"

Scheuer will bei der Verkehrswende nicht sofort und ausschließlich auf alternative Antriebstechnologien wie Batterie und Brennstoffzelle setzen. "Wir dürfen nicht locker lassen beim Klimaschutz - aber nicht mit Verboten und Einschränkungen, sondern mit Innovationsförderung und Technologieoffenheit", so Scheuer. Er sprach sich für einen verstärkten Einsatz synthetischer Kraftstoffe für Autos mit Verbrennermotor aus, um den Übergang zu erleichtern. "Der Automobilsektor befindet sich in einem Transformationsprozess, und wir beliefern die Welt mit unseren Produkten. Es ist unsere Aufgabe, Export- und Logistikweltmeister zu bleiben." Ein verstärkter Einsatz sogenannter E-Fuels ist höchst umstritten. Diese synthetischen Kraftstoffe werden mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid produziert. Umweltexperten argumentieren, ihre Herstellung sei ineffizient und sehr teuer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2021 um 09:00 Uhr.