Sanierungsarbeiten, Fleher Brücke, A46 | picture alliance / Jochen Tack

Plan der Autobahn GmbH Verdoppelung der Brückensanierungen 2022

Stand: 16.12.2021 10:18 Uhr

Viele Brücken in Deutschland sind alt und marode. Die Autobahngesellschaft des Bundes will die Sanierung daher 2022 stark ausweiten. Die Zahl der zu erneuernden Überführungen soll verdoppelt werden.

Die Autobahngesellschaft des Bundes will im kommenden Jahr insbesondere die Sanierung von Brücken in den Fokus rücken. "Wir müssen die Anzahl der jährlich zu erneuernden Brücken von 200 auf 400 verdoppeln", sagte Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH, der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Angaben des bundeseigenen Unternehmens wurde etwa die Hälfte der 28.000 Autobahnbrücken in Deutschland zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren errichtet. Diese erreichten in den kommenden Jahren das Ende ihrer Lebensdauer. Die Autobahn GmbH will daher die Erhaltung, Sanierung und Erneuerung im gesamten Netz vorantreiben. Für die Pläne sei eine "Brücken-Task-Force" eingerichtet worden.

Autobahn GmbH seit Anfang des Jahres zuständig

Auch der erhöhte Verkehr auf den Autobahnen sei ein Grund für die verstärkte Sanierung, so die Gesellschaft, die seit dem 1. Januar 2021 für die Fernstraßen zuständig ist. Seit Beginn der 1980er-Jahre habe er sich nahezu verdoppelt. Vor allem der Anteil des Schwerlastverkehrs sowie der Großraum- und Schwerlasttransporte habe sich signifikant erhöht.

Bereits im September hatte das Bundesverkehrsministerium mitgeteilt, dass auf wichtigen und stark befahrenen Autobahnstrecken hierzulande in den kommenden fünf Jahren mehr als zwei Milliarden Euro in die Modernisierung von Brücken investiert werden sollen. Dabei ging es um das Sonderprogramm "Brücken-Link", mit dem die Arbeiten auf hochbelasteten Streckenabschnitten beschleunigt werden sollen.

Der Bund übernahm den Betrieb, den Erhalt, den Ausbau und die Finanzierung der Autobahnen von den Ländern. Die Ziele der Großreform: zügiger bauen, weniger Staus und bessere Informationen für Autofahrer. Mit der Neuaufstellung sollen Baufirmen den gleichen Ansprechpartner haben. Zudem werden Ausschreibungen und Regeln vereinheitlicht sowie Projekte aus einer Hand geplant. Das Autobahnnetz umfasst insgesamt 13.000 Kilometer.

"Signifikante Zukunftsprojekte"

Krenz sprach von einem erfolgreichen Auftaktjahr der Autobahn GmbH. Im ersten Betriebsjahr seien 4,92 Milliarden Euro in den Erhalt und den Ausbau der Bundesfernstraßen gesteckt worden. Diese Summe bewege sich nahezu auf dem vergleichbaren Ausgaben-Niveau des Vorjahres aller Bundesländer, erklärte Krenz. An rund 5000 Planungs- und Bauprojekten sei gearbeitet und rund 275.000 Rechnungen seien gebucht worden.

Darüber hinaus habe die Autobahn GmbH "signifikante Zukunftsprojekte" für mehr Sicherheit, Service und Baubeschleunigung gestartet, so Krenz. Er verwies etwa auf die Eröffnung einer Pilotanlage für moderne Rastplätze. Im Juli startete zudem eine eigene Service-App, die Autofahrern durch "exklusive Daten" bessere Informationen über die Verkehrslage liefern und Navigationssysteme wie Google Maps & Co. ergänzen soll. Eine eigenständige Zielführung ist nicht möglich, sondern lediglich eine Routenplanung. Gerade deshalb bezeichnen sie viele Nutzer in Bewertungen jedoch als überflüssig.

Steuerverschwendung vorgeworfen

"Mehr als eine Million Euro für eine App ohne jeglichen Mehrwert - das ist eine Posse und damit ein Fall für den Rechnungshof", betonte auch Grünen-Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar vor einigen Monaten. Der Bund der Steuerzahler hatte den Fall zuletzt in sein Schwarzbuch der Steuergeldverschwendung aufgenommen. So seien rund 1,2 Millionen Euro in die unnötige Entwicklung versenkt worden - plus 11.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit. Denn die Daten für die App stünden der Gesellschaft gar nicht exklusiv zur Verfügung.

Gestiegene Kosten, überhöhte Gehälter, Verzögerungen bei IT-Systemen oder die versteckte Ansage, die Finanzierung langfristig direkt von den Nutzer zu holen: Auch sonst hatte es an der neuen Firma immer wieder viel Kritik gegeben. Eigentlich sollte zudem die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH in die Autobahn GmbH integriert werden - das aber wurde angesichts rechtlicher Bedenken gestoppt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Dezember 2021 um 11:38 Uhr.