Mehrere Neuwagen stehen in Reihen. | dpa

Absatz soll 2022 steigen Autokonzerne erwarten nur leichte Erholung

Stand: 09.02.2022 13:58 Uhr

Nach dem historischen Tiefstand im vergangenen Jahr rechnen die deutschen Autobauer für 2022 mit einem Absatzplus von sieben Prozent. Das wäre die zweitniedrigste Zahl von Neuzulassungen seit der Wiedervereinigung.

Die deutschen Autohersteller rechnen für das laufende Jahr mit einer Erholung des Absatzes nach dem Tiefpunkt 2021. Für 2022 erwartet der Verband der Automobilindustrie (VDA) rund 2,8 Millionen Neuzulassungen in Deutschland. Das wären sieben Prozent mehr als im Vorjahr, wie VDA-Präsidentin Hildegard Müller auf der Jahrespressekonferenz des Verbands mitteilte.

Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, läge der Absatz immer noch deutlich niedriger als in den Jahren vor der Pandemie, als meist mehr als drei Millionen Neuwagen auf die Straßen kamen. Im vergangenen Jahr war die Zahl Neuzulassungen auf niedrigste Niveau seit dem Jahr 1985 gefallen. Auch zu Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise hatten die jährlichen Verkaufszahlen mindestens 2,9 Millionen erreicht. Den absoluten Rekord hatte die Branche 1991 mit fast 4,2 Millionen PKW verbucht.

Mehr Halbleiter- und Batterieproduktion in Europa gefordert

Mit ihrer Prognose sind die deutschen Autobauer weniger optimistisch als die im Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) zusammengeschlossenen ausländischen Hersteller. Diese Interessenvertretung hatte für 2022 einen Absatz von drei Millionen PKW prognostiziert. Die schon im Dezember veröffentlichte Schätzung hatte der Verband allerdings unter der Voraussetzung kalkuliert, dass sich die Versorgung mit Halbleitern normalisiere.

VDA-Präsidentin Müller wiederum forderte nun mehr Geschwindigkeit beim Aufbau einer europäischen Halbleiter- und Batterieproduktion. "Wenn Deutschland auch Weltmarktführer der Zukunft sein will, dann braucht es jetzt den Aufbau von Halbleiterfabriken", sagte sie. "Erste Planungen zum Ausbau der Batterieproduktion in Deutschland und Europa existieren bereits. Wichtig ist die zeitnahe Umsetzung der Planungen, damit die Wertschöpfung für die Automobilindustrie in Europa gehalten werden kann."

Zu wenig Ladesäulen

Gleichzeitig kritisierte Müller den schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, die Lücke werde größer statt kleiner. Wenn Deutschland sein bescheidenes Tempo beibehalte, würden 2030 gerade einmal rund 160.000 Ladepunkte erreicht und damit nicht einmal ein Sechstel der angestrebten Million. Um die schnell wachsende Zahl an Elektroautos zu versorgen, müsse außerdem der Ausbau des Stromnetzes entschlossener vorangetrieben werden, so Müller.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Februar 2022 um 12:30 Uhr.