Jobberatungszentrum für ukrainische Geflüchtete | picture alliance / Flashpic

Arbeitsmarkt So sollen Ukrainer integriert werden

Stand: 19.04.2022 10:33 Uhr

Wie können Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland aufgenommen werden? Der Arbeitsmarkt spielt dabei eine zentrale Rolle. Politik und Firmen suchen nach den besten Wegen für die Integration.

Seit Beginn der Kämpfe in der Ukraine hat die Bundespolizei mehr als 350.000 in Deutschland angekommene Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine registriert. Ihre Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft gewinnt für Politik und Unternehmen zunehmend an Bedeutung: "Angesichts des schrecklichen Angriffskrieges von Putin bereiten wir uns so darauf vor, dass viele Geflüchtete auch länger bleiben werden", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil der Nachrichtenagentur dpa.

Eine zentrale Rolle für eine gelingende Integration spielt dabei der Arbeitsmarkt. Bundeskanzler Olaf Scholz betonte bei einem Treffen mit DAX-Vorständen in der vergangenen Woche die Bedeutung der Wirtschaft bei der Integration geflüchteter Ukrainerinnen und Ukrainer.

"Lage der Menschen nicht ausnutzen"

Die Gewerkschaft IG BAU verwies allerdings auch darauf, dass Geflüchtete aus der Ukraine nicht als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden dürfen. "Manche Chefs wollen die oft gut qualifizierten Geflüchteten lieber heute als morgen einstellen - aber oft zu schlechten Bedingungen", sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger. Kein Unternehmen dürfe jetzt die Lage der Menschen ausnutzen, die in Deutschland Schutz suchen: "Beschäftigte zweiter Klasse darf es nicht geben", betonte er.

So war Ende März der Fleischkonzern Tönnies in die Kritik geraten, nachdem das ARD-Politikmagazin Panorama darüber berichtet hatte, wie das Unternehmen an der polnisch-ukrainischen Grenze versucht haben soll, Geflüchtete als Produktionshelfer anzuwerben. Tönnies bestritt eine eigennützige Absicht.

Konzerne wollen Flüchtlinge einstellen

Für Unternehmen kann es ein Balanceakt sein, einerseits ehrlich helfen zu wollen und andererseits nicht in die Kritik zu geraten, das Leid der Kriegsflüchtlinge auszunutzen. Robert Feiger von der IG BAU betonte, dass die Politik jetzt die Weichen für die dauerhafte und damit gelingende Integration am Arbeitsmarkt stellen müsste - selbst wenn nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge in Deutschland bleibe. Zunächst sei es wichtig, ausländische Bildungsabschlüsse anzuerkennen, den Zugang zu Sprachkursen zu vereinfachen sowie Kinderbetreuung bereitzustellen.

Deutsche Großkonzerne haben bereits in die Initiative ergriffen: Der Softwarekonzern SAP verkündete Anfang April die Einführung eines Programms mitsamt eigener Website, dessen Ziel es sei, "Flüchtlinge aus der Ukraine mit offenen Stellen in den weltweiten SAP-Niederlassungen zusammenzubringen". Auch die Deutsche Bahn hat nach Angaben von Personalvorstand Martin Seiler "permanent 3000 bis 4000 Stellen offen", die man auch mit Kriegsflüchtlinge besetzen wolle. Erste ukrainische Geflüchtete habe das Unternehmen bereits eingestellt, etwa als Bauingenieure, an der Telefon-Hotline oder im IT-Bereich. Und Siemens plant zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt beispielsweise Schülerpraktika, Berufspraktika oder Ausbildungsvorbereitungsklassen mit Maßnahmen zum Spracherwerb.

Arbeitgeber erwarten schnelles Handeln der Politik

Auch Mercedes-Benz "möchte geflüchtete Menschen aus der Ukraine dabei unterstützen, neue Jobmöglichkeiten zu finden", sagte eine Sprecherin. Wichtig sei für den Stuttgarter Autobauer eine schnelle Erteilung der nötigen Aufenthalts- und Arbeitstitel. Zudem brauche man Klarheit über rechtliche Voraussetzungen, beispielsweise "ob und in welchen Fällen auf bestimmte Dokumente und Bescheinigungen verzichtet werden kann, die derzeit nicht zu beschaffen sind", etwa Studien- und Ausbildungsbescheinigungen von Geflüchteten.

Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, verwies ebenfalls auf die Rolle der Politik: Sie müsse nun endlich in den Krisenmodus schalten, die Aufnahme der Menschen aus der Ukraine sei oft noch zu langsam und ineffizient. Die Bundesregierung müsse die Wirtschaft entlasten und Rahmenbedingungen für die Integration schaffen: "Wir Arbeitgeber stehen bereit, um Geflüchtete aus der Ukraine zu beschäftigen und auszubilden. Die Möglichkeit für Geflüchtete, unbürokratisch eine Arbeit in Deutschland aufnehmen zu können, die den Qualifikationen der Geflüchteten entspricht, ist zentral", so Kampeter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2022 um 13:45 Uhr.