IT Spezialistin in einem Serverraum. | picture alliance / Bildagentur-o

Deutscher Arbeitsmarkt Mehr Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten

Stand: 22.07.2022 11:24 Uhr

Immer mehr Menschen aus Nicht-EU-Ländern kommen zum Arbeiten nach Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verdreifacht - die meisten stammen aus Indien.

Immer mehr ausländische Arbeitskräfte aus Staaten außerhalb der EU kommen nach Deutschland: Ende 2021 waren es rund 295.000 Menschen, die eine befristete Aufenthaltserlaubnis für eine Erwerbstätigkeit hatten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, hat sich deren Zahl damit innerhalb von zehn Jahren mehr als verdreifacht. Zum Jahresende 2011 waren es nur gut 90.500.

Den größten Anteil stellten dabei Arbeitskräfte aus Indien: Elf Prozent der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter stammten von dort. Auch vom Balkan kamen viele Menschen zum Arbeiten nach Deutschland. So stammten neun Prozent der Arbeitskräfte aus nicht EU-Ländern aus Bosnien-Herzegowina, weitere sieben Prozent aus dem Kosovo.

Lösung für den Fachkräftemangel?

Insgesamt 24 Prozent der ausländischen Arbeitskräfte waren Ende 2021 akademische Fachkräfte mit einer sogenannten Blue Card. Diese wurde 2012 EU-weit mit dem Ziel eingeführt, dem Mangel an hochqualifizierten Fachkräften zu begegnen. Voraussetzung für den Erhalt der Blue Card ist ein Hochschulabschluss sowie ein konkretes Arbeitsplatzangebot mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 56.400 Euro.

In sogenannten Mangelberufen gilt eine geringere Gehaltsgrenze von 43.992 Euro brutto. Ende 2021 arbeitete knapp die Hälfte der Personen mit Blue Card in einem Mangelberuf, etwa als Mediziner oder in der IT.

Angesichts des akuten Fachkräftemangels treibt die Regierung derzeit Pläne zur Reform des Einwanderungsrechts voran. Von jungen Hochschulabsolventen soll künftig nicht mehr erwartet werden, dass sie genauso viel verdienen wie Berufserfahrene, um mit einer Blue Card einreisen zu können. "Wir senken für sie die Gehaltsgrenzen", erklärten jüngst Innenministerin Nancy Faeser und Arbeitsminister Hubertus Heil.

Polen liegt an der Spitze

Den Daten zufolge hat auch die Arbeitskräfte-Zuwanderung aus EU-Staaten zugenommen. Sie ist deutlich größer als die Zahl der Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten: Im vergangenen Jahr waren 1,65 Millionen Menschen aus EU-Staaten hierzulande tätig. Das entspreche einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber 2017, als diese Daten erstmals erhoben worden seien, berichtet Destatis.

Die meisten der aus EU-Staaten zugewanderten Arbeitskräfte hatten demnach bereits ein festes Arbeitsplatzangebot, als sie nach Deutschland kamen. Knapp ein Viertel (23 Prozent) der zugewanderten EU-Arbeitskräfte stammte 2021 aus Polen, dem häufigsten Herkunftsland. Danach folgten Rumänien mit 16 Prozent und Italien mit 13 Prozent, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2022 um 10:00 Uhr.