Das neue iPhone 13s in einem Apple Store  | AFP
Analyse

Apples Weihnachtsquartal Rekordverdächtige Zahlen - aber warum?

Stand: 28.01.2022 07:06 Uhr

Allen Befürchtungen zum Trotz hat der iPhone-Konzern ein Rekord-Ergebnis hingelegt. Nur eine Sparte hat geschwächelt. Optimistisch blickt man auch beim Konkurrenten Samsung ins neue Jahr.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Apple hat mit der Veröffentlichung seiner rekordverdächtigen Quartalszahlen alle Sorgen der Anleger zerstreut. Chipmangel und Lieferengpässe können dem geschmeidig geölten Betrieb des kalifornischen Unternehmens offenbar nur wenig anhaben.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Der Umsatz ist um rund elf Prozent auf 123,9 Milliarden Dollar gestiegen. Dabei hätte man sogar noch deutlich mehr Geräte verkaufen können, betont Apple-Chef Tim Cook im Gespräch mit Analysten und Presse. Er schätzt, dass durch den Chipmangel der Umsatz um mehr als sechs Milliarden Dollar gedrückt worden sei. 

iPhone: Umsatzplus von neun Prozent

In fast allen Sparten kann das Silicon-Valley-Unternehmen Rekorde feiern: Allen voran beim iPhone, das für einen Umsatz von 71,6 Milliarden Dollar sorgte - ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit dürfte Apple seinen Hauptkonkurrenten Samsung wieder auf Platz zwei bei den Smartphone-Absätzen verdrängt haben.

Kurzzeitig zumindest. Die Koreaner dürften die Kalifornier vermutlich im Frühjahr und Sommer wieder einholen.

Der weltweite Marktanteil von Smartphones, die ein Apfel-Logo zieren, liegt nach Berechnungen der Analysefirma IDC nun bei 23,4 Prozent.

Aber auch im PC-Geschäft, beim Zubehör, den Uhren sowie den Abos für Musik und Filme konnte Apple deutliche Zuwächse und Rekorde verbuchen. Einzig das Tablet-Geschäft schwächelte und schrumpfte um 15 Prozent, was aber an Lieferengpässen lag, beteuert Finanzchef Luca Maestri.

Selbst im laufenden, traditionell weniger umsatzstarken Quartal trauen die Analysten dem Tech-Unternehmen aus Cupertino neue Rekorde zu.

Cook kennt Zulieferer-Markt in Asien bestens

Dieser Erfolg hat vor allem einen Namen: Tim Cook. Keiner kennt den Zulieferermarkt in Asien so gut wie der Apple-Chef, der vor seinem Aufstieg zum Nachfolger von Steve Jobs für die Zulieferer in Asien zuständig war. Von diesem Know-How profitiert das Unternehmen deutlich. Hinzu kommt, dass sich die Engpässe bei den begehrten Halbleiter-Chips derzeit etwas entspannen.

Bezahlt macht sich aber auch, dass Apple in seinen Telefonen und Computern mittlerweile selbst designte und in Asien gefertigte Chips einbaut. So ist man deutlich weniger abhängig von Herstellern wie Intel, deren Bauteile immer weniger bei Apple-Geräten zum Einsatz kommen.

Samsung: Gewinne sprudeln

Schaut man zum großen Konkurrenten und zugleich auch Partner von Apple - zu Samsung nach Südkorea, findet man ein ähnliches Bild. Das Unternehmen sieht optimistisch in die Zukunft. Die Lieferprobleme hätten sich im letzten Quartal leicht abgeschwächt. Auch bei Samsung sprudeln die Gewinne.

Der Nettogewinn ist um 64 Prozent auf 10,84 Billionen Won - umgerechnet etwa neun Milliarden US-Dollar - gegenüber 6,6 Billionen Won im Vorjahr gestiegen. 

Verkauf von Elektronikkomponenten

Die Koreaner profitieren vor allem davon, dass sie die so wichtigen Halbleiterchips herstellen. Samsung hat im vergangenen Jahr hier sogar Intel überholt und ist jetzt die weltweite Nummer eins unter den Herstellern. Die Verknappung hat zudem für höhere Preise gesorgt und den Produzenten mehr Macht verliehen.

Neben Fernsehern, Smartphones, Haushaltsgeräten und Chips stellt Samsung aber auch wichtige Elektronikkomponenten her, die es beispielsweise an Sony und Apple verkauft. Selbst, wenn der eigene Smartphone-Absatz also zurückgehen sollte, ist dieser durch die guten Absatzzahlen des kalifornischen Mitbewerbers ein wenig abgefedert. 

Lieferant von Speicherchips

Samsung hat sich in den vergangenen Jahren geschickt als Lieferant von Speicherchips positioniert. Während bei Intel vorwiegend Mikroprozessoren für Server und PCs hergestellt werden, sind es bei den Koreanern vor allem die schnellen Speicher, die für Smartphones, Computer und Fernseher benötigt werden. 

Die guten Daten aus Asien und Kalifornien könnten den kritischen Blick der Analysten eventuell mildern - sie rechnen mit einer Abkühlung des Tech-Marktes. Denn kommende Woche legen weitere Tech-Unternehmen ihre Quartalsberichte vor. Unter anderem sind die Google-Mutter Alphabet, Amazon und Meta (früher Facebook) an der Reihe. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Januar 2022 um 15:41 Uhr.