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Günstigere Bezahlwege Apple lockert Regeln für App-Anbieter

Stand: 27.08.2021 10:06 Uhr

Bisher mussten App-Anbieter 30 Prozent ihrer In-App-Einnahmen an Apple abgeben. Das kann jetzt durch eine neue Regelung umgangen werden. Der Vergleich ist aber weniger spektakulär, als er auf den ersten Blick aussieht.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Apple will Entwicklern von Apps künftig erlauben, ihren Nutzern E-Mails über günstigere Zahlungsmöglichkeiten für digitale Abonnements und Medien zu ermöglichen. Dadurch würde für die Anbieter die 30-Prozent-Provision wegfallen. Bislang hat das Provisionssystem dem iPhone-Hersteller jährlich viele Milliarden Dollar Einnahmen beschert.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Der Vergleich klingt auf den ersten Blick spektakulärer, als er sich bei näherem Hinsehen entpuppt: Künftig dürfen US-Bertreiber von Apps, andere Bezahlwege bewerben. Zum Beispiel, indem sie ihren Usern eine E-Mail oder SMS schicken. Darin können sie dann alternative Bezahlmöglichkeiten anbieten und die Nutzer zum Beispiel auf eine Website schicken. Das hört sich erst mal kompliziert an und dürfte es in der Praxis auch werden.

Ein kalkuliertes Entgegenkommen

Es ist für die Firmen weiter verboten, innerhalb einer App ein alternatives Bezahlsystem zu integrieren oder Nutzer aus der App heraus auf eine Bezahl-Website zu schicken. Der Konzern aus dem Silicon Valley preist die neue Regelung als ein großzügiges Entgegenkommen gegenüber der Entwickler-Community an.

Die Forderung der Entwickler war aber eine andere: Sie wollen innerhalb der App eigene Bezahlmöglichkeiten anzeigen. So weit ging der kalifornische Konzern aber nicht. Viele App-Entwickler dürften jetzt ihre Apps umbauen und von ihren Nutzern eine Registrierung verlangen, um ihnen eine E-Mail schicken zu können. Ob die dann aber tatsächlich anderweitig bezahlen, ist die große Frage. 

Ein Fonds für die kleinen Entwickler

Apple kommt noch in einem anderen Punkt kleinen App-Entwickler-Firmen entgegen. Es hat die zum Jahreswechsel verkündete 15-Prozent-Provision für drei weitere Jahre verlängert.

Außerdem hat der Konzern einen Fonds eingerichtet: US-Entwickler können unter bestimmten Bedingungen eine Entschädigung beantragen. Allerdings nur für die Zeit zwischen dem 4. Juni 2015 und 26. April 2021. Sie müssen dafür eine App im App-Store gehabt haben und weniger als eine Million Dollar Umsatz damit gemacht haben. Entwickler könnten dann zwischen 250 bis 30.000 Dollar Schadensersatz zugesprochen bekommen. 

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Die Begeisterung hält sich Grenzen

Die Reaktionen zum Kompromissangebot von Apple fallen eher verhalten aus: Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar, Vorsitzende des Kartellunterausschusses im US-Senat, bezeichnete den Vergleich "als einen guten erster Schritt, um einige dieser wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen". Es müsse aber mehr getan werden, um einen offenen, wettbewerbsfähigen Markt für mobile Apps zu gewährleisten.

Die "Coalition for App Fairness", bestehend aus dem Spieleunternehmen Epic, dem Musikstreaming-Dienst Spotify und anderen, teilte mit, der von Apple vorgeschlagene Deal gehe nicht weit genug. "Apples Scheinvergleichsangebot ist nichts anderes als ein verzweifelter Versuch, das Urteil von Gerichten, Aufsichtsbehörden und Gesetzgebern weltweit zu vermeiden", sagte Meghan DiMuzio in einer Erklärung. "Dieses Angebot trägt nicht dazu bei, die strukturellen, grundlegenden Probleme zu lösen, mit denen alle Entwickler - ob groß oder klein - konfrontiert sind und Innovation und Wettbewerb im App-Ökosystem untergraben."

Nicht das erste Verfahren für Apple

Der jetzt getroffene Vergleich ist Teil einer Sammelklage unter den Namen "Cameron et al v. Apple". Diese Klage war bereits 2019 von einem Zusammenschluss mehrere Entwickler eingereicht worden. Der Vergleich muss von Richterin Yvonne Gonzalez Rogers am Bezirksgericht im nordkalifornischen Oakland genehmigt werden. Sie sitzt auch dem bekannteren Verfahren zwischen der Gaming-Firma Epic und Apple vor. Auch dort war es um angebliches wettbewerbswidriges Verhalten von Apple gegangen. 

Ob die Vereinbarung, so sie vom Gericht genehmigt wird, auch für App-Entwickler außerhalb der USA gilt, hat Apple in seiner am Abend veröffentlichten Pressemitteilung nicht präzisiert. Unklar ist auch, ab wann die neuen Regeln gelten sollen. 

Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. August 2021 um 10:38 Uhr.