Apps vor einem Apple-Logo | AFP

Streit um Provisionen Apple kommt App-Anbietern entgegen

Stand: 03.09.2021 12:56 Uhr

Apple kommt Anbietern von Medien-Apps entgegen. Diese können künftig leichter Provisionen umgehen. Kritiker bezeichnen den Schritt allerdings als PR-Show, die von einem anderen Streit ablenken solle.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Anbieter von Medien-Apps - gemeint sind damit zum Beispiel die Dienste von Netflix, Spotify aber auch Zeitungsverlage und E-Book-Anbieter - dürfen jetzt innerhalb ihrer Apps einen Link auf eigene Bezahlseiten setzen. Das war bislang verboten. Hintergrund ist eine Einigung mit der japanischen Wettbewerbsbehörde.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Aber bewegt sich Apple wirklich auf die Entwickler-Community zu? Joanna Stern ist Tech-Journalistin beim "Wall Street Journal". Im Wirtschaftssender CNBC sagt sie: "Das ist eine nette PR-Geschichte für Apple. Und natürlich spielt die japanische Wettbewerbsbehörde eine Rolle. Das hat Apple aber nicht getan, weil es so ein gutes Herz hat." Jetzt gelte es den Epic-Prozess abzuwarten, so Stern weiter. Dann werde man sehen, wozu Apple gezwungen werde und was sie freiwillig tun.

Ein offenbar fadenscheiniges Zugeständnis

Tech-Welt und Analysten sind sich einig: Dieses neue Zugeständnis tut Apple nicht wirklich weh. Netflix und Spotify haben längst die Möglichkeit abgeschafft, auf iPhones oder iPads Abos für ihre Dienste abzuschließen. So müssen sie keine 30-Prozent-Provision bezahlen. Außerdem würden sie Apple, das selbst einen Musikstreaming-Dienst und eine Video-On-Demand-Plattform betreibt, wertvolle Kundendaten in die Hände spielen.

Am schwersten aber wiegt: Das meiste Geld in seinem App-Store, vermutlich mehr als 70 Prozent, verdient Apple mit Spiele-Apps. Und für die gilt diese neue Regelung nicht. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit Gaming-Apps fast 78 Milliarden Dollar verdient.

Steve Kovac von CNBC meint, beim Gaming verdiene Apple einen großen Batzen. "Deshalb messen wir der Gerichtsentscheidung im Epic-Prozess so eine große Bedeutung bei. Hier erwarten wir in Kürze ein Urteil", so Kovac. "Gaming-Apps dürften Apple viel härter treffen als diese Medien-Apps."

Prozess der Tech-Giganten

Der Prozess am Bezirksgericht in Oakland, nahe San Francisco, zwischen der Spielfirma Epic und Apple dürfte also entscheiden, wie es mit den App-Stores von Apple aber auch Konkurrent Google weitergeht. Beiden Konzernen werfen Entwickler, Politik und Aufsichtsbehörden vor, ein Duopol zu bilden. Zusammen kontrollieren sie nahezu die gesamte App-Ökonomie von Android und iOS. 

Die Reaktionen auf die jetzige Apple Entscheidung fallen dementsprechend aus: Tim Sweeny, Chef der Spiele-Firma Epic meinte auf Twitter, Apple führe jeden Tag eine Neuberechnung von Teile-und-Herrsche durch. Damit glaube das Unternehmen, sich mit seinen Praktiken durchlavieren zu können. 

Druck von mehreren Seiten

Auch in der EU gerät Apple unter Druck. Die EU-Kommission wirft dem Konzern unfairen Wettbewerb vor. In Südkorea, einem wichtigen asiatischen Markt für Smartphone-Apps, haben die beiden Dickschiffe Apple und Google diese Woche bereits eine Niederlage einstecken müssen. Das Parlament hat hier ein Gesetz verabschiedet, damit App-Entwickler auch andere Bezahlsysteme nutzen dürfen. 

Und aus Indien wird gemeldet, dass die dortigen Wettbewerbshüter wegen der Bezahlsysteme ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Unternehmen einleiten will. Apple verteidigt sich damit, dass, der App-Store eine lukrative Plattform für Entwickler sei. Gleichzeitig schütze sie die Nutzer vor Betrugsversuchen, weil Apple den App-Store redaktionell pflege.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. September 2021 um 05:44 Uhr.